Chi me lo fa fare?

Publiziert in 35 / 2020 - Erschienen am 13. Oktober 2020

Die Zeiten, als es noch eine Ehre war, Mitglied des Gemeinderates zu sein, sind längst vorbei. Mittlerweile ist es sogar schwierig, Leute zu finden, die bereit sind, sich wählen zu lassen. „Chi me lo fa fare?“ fragen sich viele und haben nicht Unrecht. Dieselbe Frage stellen sich zunehmend auch Personen, die gebeten werden, sich um das Bürgermeisteramt zu bewerben oder im Ausschuss mitzuarbeiten. Das regelmäßige „Gerangel“ bei der Neubesetzung der Gemeindeausschüsse, das auch nach den heurigen Wahlen vielerorts eingesetzt hat, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Interesse, sich im Rat oder Ausschuss für das Allgemeinwohl einzubringen, weiter ablauft. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Nicht zu unterschätzen ist der Umstand, dass die Gesellschaft fordernder, kritischer und egoistischer geworden ist. Man erwartet sich von den Gewählten die Erfüllung eigener Wünsche, Vorstellungen und Interessen. Es sind dies zumeist die Interessen von Verbänden und Ständen, die es eh schon gewohnt sind, sich Gehör zu verschaffen. Sogenannte schwache Schichten, ich denke etwa an ältere Menschen, an Kinder und Jugendliche oder an sozial Ausgegrenzte, fallen nicht selten durch den Rost. Dabei müsste eigentlich jedes Ratsmitglied die ganze Gesellschaft im Auge haben, denn es arbeitet ja für das Wohl aller. Unter Arbeiten darf man ruhig mehr verstehen, als nur an Sitzungen teilzunehmen und die Hand aufzuheben oder unten zu lassen.

Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.