Der Berg fordert keine Opfer

Publiziert in 32 / 2019 - Erschienen am 24. September 2019

Die einen hängen tagelang in der Wand und lassen sich nicht retten. Die anderen brechen bei Schlechtwetter zum Gipfel auf und schlagen alle Warnungen in den Wind. Wieder andere erfrieren im Stau am Mount Everest oder stürzen beim Basejumping in den Tod. So unterschiedlich die einzelnen Fälle auch sein mögen, so haben sie doch einen gemeinsamen Nenner: Menschen sind bereit, ein lebensgefährliches Risiko auf sich zu nehmen. Wenn es dann Tote gibt, wird von Tragödien gesprochen. Tragisch ist in meinen Augen etwas, das geschieht, ohne dass wir es wollen, provozieren oder eben riskieren. Tragisch ist, wenn jemand auf dem Zebrastreifen überfahren wird, wenn jemand stürzt und mit dem Kopf aufschlägt oder wenn jemand von einer heimtückischen Krankheit „angesprungen“ wird. Wenn sich Menschen aber bewusst einem großen Risiko aussetzen, grenzt das zumindest an Leichtsinn. Es mag zwar jedem seine Sache sein, was er tut oder nicht tut, was er sich oder anderen beweisen will oder welchem Kick auch immer er nachjagt: wenn waghalsige Unterfangen aber mit dem Tod enden, wird das oft für Angehörige und Freunde zur Tragödie. Von einem „Restrisiko“ kann bei bestimmten Extremsportarten nicht gesprochen werden. Bedenklich ist, dass solche „Sportarten“ nach dazu von Firmen gesponsert werden. Und dann wird von tragischen Unfällen geredet. Am Ende ist es so wie am Berg. Der Berg ist einfach da. Er fordert keine Todesopfer. Er fordert gar nichts.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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