Der Held ist tot, es lebe der Held
Publiziert in 7 / 2009 - Erschienen am 25. Februar 2009
In Etappen zu 25 Jahren wird seit 1859 besonders feierlich des oder der Helden von 1809 gedacht. Jede Feier wurde von den jeweiligen Machthabern zu ihren Zwecken instrumentalisiert. Jeder Machthaber entdeckte einen ihm genehmen Helden Hofer. In jedem Gedenkjahr stülpte sich ein anderer Zeitgeist über den Landesverteidiger und trotzdem überlebte der Mythos Andreas Hofer jede dieser Strömungen. 1909 stilisierte man den kaisertreuen Hofer zum Idol. 1934 verschwieg man die unselige Abtrennung Südtirols, weil die Regierung der jungen Republik Österreich sich gegen Nazi-Deutschland an Italien anlehnen wollte. Fünf Jahre später, 1939, war Andreas Hofer ein Kämpfer für das Deutschtum auf Seiten der Optanten und ein Verteidiger der Heimat auf Seiten der Dableiber.
1959 bemächtigten sich die Frontkämpfer des Helden Hofer. Für die starke SVP wurde er zur Symbolfigur im gemeinsamen Kampf um Freiheit und Recht. In der gespannten Gedenkstimmung von 1959 gelang es Österreichs Außenminister Kreisky, Südtirol vor die UNO zu bringen. Das Gedenkjahr 1984 wird als das Jahr der Dornenkrone in Erinnerung bleiben und als der Beginn einer kritischen Hinterfragung der Ereignisse von 1809. Eine ganze Riege junger Historiker begann ernsthaft an der Heldenzeit zu kratzen. Man deckte die Rolle des habsburgischen Österreichs und des Tiroler Klerus auf, begann sich an den sozialen und wirtschaftlichen Reformen der Bayern zu erwärmen und fragte nach dem Leid der einfachen Menschen.
Heute, 2009, scheint man Distanz zum Helden und Verständnis für den Menschen Hofer gewonnen zu haben. Man ist dabei, sich vom kriegerischen Helden Hofer zu verabschieden. Das Augenmerk richtet sich zunehmend auf seine tiefe Frömmigkeit, auf seinen Tod in Mantua, auf die Charakterstärke seiner Mitstreiter Peter Mayr und Peter Sigmair und auf die seit 200 Jahren anhaltende Kraft als Integrationsfigur aller Tiroler Landesteile.
Günther Schöpf
Günther Schöpf