Die eigenen vier Wände

Publiziert in 30 / 2019 - Erschienen am 10. September 2019

Diese alten Stühle müssen endlich verschwinden. Auch der ausgetretene Teppich gehört in den Müll. Ein frischer Anstrich würde die Küche ganz neu aussehen lassen: niemand kann uns daran hindern, in unseren eigenen vier Wänden das zu tun, was wir möchten. Wir sind frei, autonom und können selbst entscheiden. Legt man dieses Bild auf eine größere Gemeinschaft um oder auf ein Land, drängt sich zwangsläufig der Begriff Autonomie auf. Autonomie heißt wörtlich Eigengesetzlichkeit. Also Selbstbestimmung im Gegensatz zu Fremdbestimmung und Einschränkung von Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Vollständig ist die Autonomie Südtirols zwar nicht, aber die Gründerväter, Befürworter und Weiterentwickler eines möglichst selbstständigen und freien „Wirtschaftens“ und „Schaffens“ in den vier Wänden des Hauses Südtirol haben richtig gedacht und gehandelt. Die Autonomie war wohl der einzige Weg, um die Folgen der Kriege und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten einigermaßen friedlich zu überstehen. Fleißig, wehrhaft und bodenständig wie sie sind, haben die Südtiroler die Autonomie liebgewonnen und ihren „Garten“ zum Blühen gebracht. Auch wenn so manche in der Autonomie nicht die endgültige Lösung sehen, gibt es derzeit keine realistische Alternative dazu. Also gilt es, auf diesem Weg zu bleiben und ihn weiter zu ebnen, ohne dabei Fehler zu machen, denn Selbstbestimmung heißt immer auch Selbstverantwortung.

Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.