Die Esche

Publiziert in 41 / 2021 - Erschienen am 7. Dezember 2021

Das „Schnoatn“ der Esche war immer die Aufgabe von uns Kindern. Mit der „Runggl“ hackten wir die Seitenäste ab und schnürten sie zu Bündeln für die Schafe im Winter. Die Äste wuchsen jedes Frühjahr nach. Die Esche blieb voll im Saft. Perfekt ist dieser Vergleich nicht, aber er kann helfen zu verstehen, was Nachhaltigkeit ist: man nimmt etwas von der Natur, fügt ihr aber keinen bleibenden Schaden zu. Wenn ich mich heute beobachte, ist vom alten „Runggl-System“ wenig übriggeblieben: ich fahre viel mit dem Auto, kaufe Bananen und andere Lebensmittel, die nicht bei uns wachsen, steige mindestens einmal im Jahr in ein Flugzeug, erzeuge Müll, dass es nur so „tscheppert“, heize auf „tutti“ und werfe weg, was ich nicht mehr brauche. Ein Musterschüler bin ich beileibe nicht. Trotzdem komme ich immer öfter ins Grübeln: die eine oder andere „Sünde“ werde ich vermeiden müssen. Das heißt nicht, dass ich morgen das Auto gegen ein Pferd eintausche, aber irgendwo werde ich konkret anfangen müssen. Dass ich aus freien Stücken zum „Runggl-System“ zurückkehre, traue ich mir nicht zu. Würde ich aber direkt oder indirekt gezwungen, käme ich zwar ins Schimpfen, würde mich aber tatsächlich zusammenreißen. Was die Klimakonferenz von Glasgow tatsächlich bringen wird, bleibt abzuwarten: nur bla, bla, bla oder doch mehr? Sicher ist: wenn wir es mit der Nachhaltigkeit wirklich ernst meinen, wird und muss es wehtun. Sonst kann die „Esche“ nicht nachwachsen.

Josef Laner
Josef Laner

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