Die „Italiani“

Publiziert in 31 / 2019 - Erschienen am 17. September 2019

Ob extrem links, fürchterlich rechts, farblos in der Mitte oder sonst irgendwo im Farbenfeld des politischen Regenbogens: immer, wenn italienische Politiker in die Mikrofone sprechen, reden sie von den „Italiani“. Von dem, was sich die „Italiani“ erwarten oder partout nicht wollen. Es hat den Anschein, als läge ihnen tatsächlich das Wohl der Bevölkerung am Herzen. Als wären sie bereit, den „Italiani“ Gutes zu tun und Schlechtes von ihnen fernzuhalten. In Wahrheit ist dieses Gerede oft nur Populismus. Oder anders gesagt Köder, mit dem man Mäuse anlockt und bei günstigen Bedingungen auch fängt. Mäuse für die nächsten Wahlen, für die eigene Partei, für sich selbst. Wie es um das tatsächliche Befinden vieler „Italiani“ steht, zeigt schon der gigantische Schuldenberg. Rund 2.400 Milliarden Euro muss der Staat irgendwann zurückzahlen. Die Wirtschaft schwächelt, Reformen werden - wenn überhaupt - nur halbherzig in Angriff genommen. Ob es der neuen Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten (PD) gelingen wird, Italien halbwegs aus dem Schlamassel zu führen und als EU-Land neu zu etablieren, bleibt abzuwarten. Mit ein Grund dafür, dass in Italien populistische und rechtsgerichtete Parteien mit Typen a là Salvini derart viel Zuspruch erfahren haben, ist das Scheitern einer gemeinsamen EU-Flüchtlingspolitik. Nun scheint sich in dieser Frage endlich eine gemeinsame Gangart abzuzeichnen, zumindest ansatzweise. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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