Die weiße Weste

Publiziert in 28 / 2020 - Erschienen am 25. August 2020

Ohne gegenseitiges Vertrauen kann eine Beziehung nicht dauerhaft halten. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Politikern und Wählern. Wird das Vertrauen verletzt, gerät die „Partnerschaft“ ins Wanken. Ein Paradebeispiel dafür haben wir in den letzten Wochen erlebt. Gestohlen haben die Landespolitiker, denen die Zahl 600 für immer eingebrannt bleiben wird, zwar nichts. Anständig verhalten haben sie sich zum Teil aber auch nicht. Obwohl Fehler eingestanden werden, bleibt irgendetwas Fahles zurück. Zu einer radikalen Rosskur haben sich weder die SVP noch das Team K durchringen können. Herausgekommen sind Kompromisse, die sowohl den Parteien selbst als auch den betroffenen Abgeordneten ein Weiterbestehen sichern sollen. Außer Zweifel steht, dass die Glaubwürdigkeit der Politik erneut Schaden genommen hat. Der Blitz hat eingeschlagen, der Donner tönt nach. Was sich allerdings bestimmte Moralisten und Hassprediger in den Sozialen Medien im Zusammenhang mit dieser Geschichte erlaubt haben, ist alles eher als sozial. „Schöne Welt, böse Leut“ habe ich mir da manchmal gedacht. Würden nur jene mit Steinen werfen, deren Weste zu 100 Prozent weiß ist, bräuchte keiner Angst zu haben, getroffen zu werden. Weh tun können aber nicht nur Worte. Oft genügt auch nur ein Blick. Auch wenn er einen nur seitlich trifft, oder von hinten. In der Bar, bei einem Fest, in der Kirche, auf der Straße.

Josef Laner
Josef Laner

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