Digitale Bürokratie

Publiziert in 13-14 / 2021 - Erschienen am 15. April 2021

So, jetzt reicht’s. Morgen werde ich ordentlich auf den Tisch hauen. Das wäre ja noch schöner. Zahlen und nichts dafür bekommen. Denen werde ich schon helfen. „Helfen“ möchte er ihnen zwar, und das auch ordentlich, aber er kann sie nicht finden, nicht greifen, nicht anschauen, ja nicht einmal anreden. Schon vor Wochen hatte er online ein paar Schuhe gekauft, die jedoch nie den Weg zu ihm fanden. Jetzt ist er hilflos, ohnmächtig und wütend. Und weil er nicht einmal irgendwo auf irgendeinen Tisch hauen und irgendjemanden am „Krawattl“ packen kann, schluckt er auch diese Pille hinunter. So wie viele andere. Er ist zwar nicht mehr der Jüngste, aber derart hilflos kam er sich bisher nur selten vor. Bei vielen Dingen. Wenn er irgendeine grüne Nummer anruft, kommt er nicht weiter. Wenn er sich an eine Sammelnummer wendet, muss er auf seinem Handy eine Ziffer nach der anderen eintippen, um am Ende das Spiel wieder von vorne zu beginnen. Man spricht nicht mit Menschen, sondern mit Automaten, denen die Geduld nie ausgeht. Aber so ist sie nun einmal, die digitale und moderne Welt. Sie soll hier nicht pauschal verurteilt werden, denn sie ist da und sie wird immer notwendiger und wichtiger. Was ich eher befürchte, ist eine Art digitale Bürokratie, sprich eine Übertragung des Wirrwarrs von Zetteln, Genehmigungen, Gesetzen und Bestimmungen ins Netz. Also nur ein neues Kleid für ein altes „Kind“.

Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.