Ein bisschen ärmer

Publiziert in 15/16 / 2019 - Erschienen am 23. April 2019

Warum hat schon der urzeitliche Mensch vor 35.000 Jahren Kunstwerke aus Elfenbein und Knochen geschaffen? Warum wurden vor Tausenden von Jahren Tiere und Pflanzen auf die Wände von Höhlen gemalt? Die Antwort liegt auf der Hand: der Mensch wollte etwas ausdrücken, etwas mitteilen, etwas schaffen, das auch seine Nachkommen noch sehen sollten. Er hat nach Möglichkeiten gesucht, um dem, was in seinem Kopf, seinem Herzen oder seiner Seele nach außen drängte, Gestalt zu geben. In Form von Farben, Tönen, Wörtern, Gegenständen. Es ist egal, wo, wann und von wem Kunstwerke und Kulturgüter geschaffen wurden. Sind sie einmal „geschlüpft“, gehören sie allen. Sie werden zum „Eigentum“ der ganzen Menschheit. Das ist auch der Grund dafür, warum Organisationen entstanden sind, um Kulturgüter international zu schützen. Wenn solche Güter verschwinden oder Schaden nehmen, ist das immer auch ein Verlust für die Menschheit, für uns alle. Der Großbrand in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame schmerzt in diesem Sinn nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Noch mehr weh tut es, wenn jahrtausendealte Kulturschätze absichtlich zerstört werden. Es ist gar nicht so lange her, als IS-Kämpfer im Museum der nordirakischen Großstadt Mossul Statuen von ihren Podesten stießen und Kunstwerke in einer Ausgrabungsstätte zerstörten. Gehen Kulturgüter verloren, auf welche Art auch immer, wird die Menschheit immer auch ein bisschen ärmer.

Josef Laner
Josef Laner

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