Ein Hoch auf die Sardinen

Publiziert in 43 / 2019 - Erschienen am 10. Dezember 2019

Sardinen aus der Schachtel haben mir immer geschmeckt. Vielleicht auch deshalb, weil man sie früher nur selten bekam. Höchstens im Sommer, wenn man auf den Wiesen arbeitete. Noch lieber sind mir die Sardinen, die sich seit kurzem in vielen Städten Italiens „verschachteln“. Kinder, Jugendliche und Erwachsene tun sich zusammen und gehen auf die Straßen. Nicht mit Slogans und markigen Sprüchen protestieren sie gegen den Rechtspopulisten Matteo Salvini, sondern mit dem Symbol der Sardine. Was die Sardinen stark macht, ist ihre Anzahl. Alles eher als klein ist aber auch die Zahl der „Salvinis“. Diese sehen in Salvini wohl den „starken Mann“, nach dem sich laut einer Umfrage fast die Hälfte der Italiener sehnt. Diese Entwicklung ist gefährlich, denn es ist die Demokratie, die unter die Räder zu geraten droht. Aus Angst wird Hass und aus Hass kann noch vieles Schlimmeres entstehen. Die Umfrage wurde am 6. Dezember veröffentlicht. Am selben Tag besuchte die Bundeskanzlerin Angela Merkel das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. „Was hier geschah, lässt sich mit Menschenverstand nicht erfassen“, sagte sie. Und: „Ich empfinde tiefe Scham.“ Einen Schlussstrich könne es nie geben und auch keine Relativierung. Die Sardinen-Bewegung und andere „Wellen“ dieser Art sind in diesem Sinne gefragter denn je. Auch in unseren Breitengraden gibt es Leute, die die Verbrechen der Nazis als „Vogelschiss“ in der Geschichte abtun.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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