Es gibt keine Abteilung für zwischenmenschliche Landschaftspflege

Publiziert in 14 / 2009 - Erschienen am 16. April 2009
Vielleicht lesen Sie zuerst den Beitrag auf den Seiten 6 und 7 und dann erst diesen Kommentar. Es geht nämlich nicht nur um das konfliktbeladene Verhältnis zwischen Bergbewohnern und Talmenschen, ­sondern auch um das Recht aller auf Landschaft. Einer der aktivsten Vertreter der Spezies Berg­bewohner ist in Naturns bekannt für seine Gradlinigkeit und den Einsatz zum Vorteil seiner Mitbürger am steilen Sonnenberg. Einer, der dies anerkennt, hat ihn einen „Landschaftsanarchisten“ genannt, der in seinem Lebensraum jede Herrschaft und Kontrolle ablehnt. Als „Pontifex Maximus“, als oberster Brückenbauer hat er es kürzlich denen da unten wieder einmal gezeigt und seine Absicht, das Leben am Berg zu erleichtern durchgesetzt. Und die da u­nten, die „im Tal täglich alle möglichen Landschaftsverschandelungen durchgehen lassen“, suchen und finden dabei eine Reihe von Gesetzesübertretungen. Sie beklagen außerdem die Zerstörung eines malerischen Verbindungsweges ­zwischen zwei ­Höfen dort oben. Sie verweisen auf frühere Eingriffe an Waalen und Wegen und fürchten den nächsten Eingriff am Meraner Höhenweg in der noch wilderen Lahnbach-Schlucht 20 Minuten weiter im Osten. Was noch schwerer wiegt, sie glauben nicht, dass die Gemeindeverwaltung von Naturns willens ist, Vorschriften einzuhalten, und fähig ist, Landschaft zu schützen. Jetzt müsste die Landesabteilung für zwischenmenschliche Landschaftspflege einschreiten. Sie gibt es aber nicht. Der Bürgermeister hat jedenfalls versprochen, sich mit Täter und Anti-Täter an einen Tisch zu setzen, um die Ange­legenheit zu ent-emotionalisieren. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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Vinschger Sonderausgabe

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