Frei, aber ...

Publiziert in 27-28 / 2021 - Erschienen am 31. August 2021

Morgen fahre ich in die Stadt, gehe zu dieser Telefongesellschaft, sage ihnen ordentlich die Meinung und verlasse das Büro erst wieder, sobald ich schriftlich in der Hand habe, dass der Vertrag gekündigt ist. So oder so ähnlich konnte man solche und ähnliche unguten Dinge früher erledigen. Damit ist es längst vorbei. Konnte man einst noch mit einem Menschen reden, steht man heute oft machtlos vor unsichtbaren Mauern. Selbst die einfachsten Sachen werden zu monströsen Hindernissen. Man denke etwa an bestimmte Grüne Nummern. Viele solcher „Problemlöser“ sind selbst zu einem Problem geworden. Es sind automatische Stimmen, die dich zum Tastendrücken einladen: wähle die Sprache, und, und, und. Gelingt es dir, die Leiter hochzuklettern, heißt es am Ende nicht selten, dass momentan kein Mitarbeiter frei ist. Nach etlichen Anläufen platzt die Geduld. „Hineingeflucht“ wird aber nicht nur in Handys und Festnetztelefone, sondern auch in so manche Computer, wenn es nicht gelingt, Dinge digital zu erledigen. Man erhält manchmal nur automatische Rückmeldungen und wird angewiesen, auf die Mails nicht direkt zu antworten. Also wieder zurück und den „ganzen Mist“ noch einmal von vorne. Neue Technologien mögen zwar unaufhaltsam und fast unersetzlich sein, doch Manches steckt noch in den Kinderschuhen. Die Freiheit, ohne Computer und Handy zu leben, gibt es zwar, aber wer sich diese Freiheit nimmt, könnte sich selbst ins Knie schießen. 

Josef Laner
Josef Laner

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