Herrscht wirklich das Volk?

Publiziert in 35 / 2018 - Erschienen am 16. Oktober 2018

Trotz der Unzulänglichkeiten, die sie sicher hat, ist die Demokratie noch immer die beste Staatsform. Es ist nicht ein Monarch oder Diktator, der regiert und Gesetze erlässt, sondern das Volk. So jedenfalls dem Wort nach, denn „dēmos“ bedeutet Volk und „kratós“ Herrschaft. In demokratischen Staaten geht die Regierung durch politische Wahlen aus dem Volk hervor. Die „Stiege zur Macht“ sind somit die Wahlen. Daher versuchen die Parteien, möglichst viel „Wahlvolk“ auf ihre Seite zu bringen, um allein oder in Bündnissen zu regieren oder auf der Oppositionsbank Politik zu machen. Vom Prinzip her ist das alles logisch und durchaus in Ordnung. Weniger in Ordnung sind aber bestimmte Methoden, mit denen Wähler „angelockt“ und „verführt“ werden. Das geschieht zum Beispiel, wenn man Ängste oder Krisensituationen ausnutzt, bewusst Unwahrheiten in die Welt setzt - Stichwort Fake News - oder die sozialen Netzwerke für fragwürdige Kampagnen missbraucht. Weltweit ist zu beobachten, wie stark Wahlergebnisse zum Beispiel mit Hilfe ausgeklügelter Internet-Kampagnen beeinflusst werden können. Dass zudem auch Beeinflussungen von außen möglich sind, wissen wir spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Die internen und externen Einflussmöglichkeiten bei Wahlen tragen zusammen mit Populismus, Slogans, Parolen und anderen Faktoren dazu bei, dass die Grundfeste liberaler Demokratien immer mehr untergraben werden, auch in Europa.

redaktion@dervinschger.it

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.