Hoppala

Publiziert in 40 / 2019 - Erschienen am 19. November 2019

Jede Kuh weiß, wann sie genug hat. Etwas Wahres ist an dieser Volksweisheit sicher dran. Indirekt ist natürlich der Mensch gemeint. Der Mensch, der nie genug bekommt, auch wenn er das, was er braucht, schon längst intus hat. Die Folgen des Übermaßes bleiben aber nicht aus. Schon sofort nach den vielen Gängen kommen Sorgen auf: Wie werden wir nach diesem Essen wohl schlafen? Aber Schwamm drüber und her mit einem neuen Liter. Vielleicht vergessen wir dann den Rest der Nacht, der auf uns wartet, wenn der volle Bauch einmal sicher nach Hause und ins Bett geshuttelt ist. Der dicke Kopf am Morgen ist sowieso mit eingerechnet. Einen solchen kann man in der Früh aber auch ohne zu üppiges Essen am Vorabend bekommen. Es genügt ein kurzes Streicheln und es ist sofort ganz bei dir: das 100 Prozent aufgeladene Handy. Du erfährst, wer über Nacht gestorben ist, wie lange deine Freunde wach waren, welche Bilder sie gepostet haben, wie billig jetzt dies und jenes ist und wie du in Null-Komma-Nichts abnimmst. Noch ehe du zum Fenster hinausgeschaut und den Kaffee ausgetrunken hast, gehörst du schon nicht mehr dir. Dein Kopf ist voll und dick, die Handy-Batterie schon wieder halb leer. Ein typischer Fall von selbst Schuld. Wer jeden Morgen zu viel „isst“, setzt sich einer Art Geistesverschmutzung aus. Da kann es dann auch während des Tages vorkommen, dass plötzlich ein Lichtmast auf ihn zuläuft, ein Straßenschild oder ein Mensch: Hoppala!

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.