Im Schatten des Krieges

Publiziert in 7 / 2022 - Erschienen am 12. April 2022

Wenn täglich ein halbes Dutzend oder mehr hungrige Kindermäuler zu stopfen sind, braucht es Phantasie. Aber es geht. Am besten wissen es Mütter, deren Kinder mittlerweile selbst weiße Haare haben. Nicht an Kalorien oder Diät-Mahlzeiten haben sie seinerzeit gedacht, sondern bemühten sich einfach darum, etwas auf den Tisch zu bringen, das alle satt machte. Ungesund war das in der Regel nicht, denn man nahm oft das, was im Garten und auf den Feldern gedieh und was im Kuh-, Schweine- und Hühnerstall heranwuchs. Gekauft wurde nur das Notwendigste oder das, worauf man manchmal große Lust hatte. Sardinen in Dosen zum Beispiel, Stockfisch oder Traubenzuckerlen. Später kam auch Eis dazu, aber nur sonntags. Diese Zeiten sind zwar lange vorbei, doch die Anzahl von Menschen, die auch heute viel Einfallsreichtum brauchen, um über die Runden zu kommen, wächst. Private und Betriebe stöhnen unter hohen Energiekosten. Auch die Preise für Lebensmittel und andere Güter schnellen in die Höhe. Um einen Einkaufswagen zu füllen, muss der „normale“ Arbeiter den Lohn vieler Tage hinlegen. Und bei den Ausgaben für das fremde „Dach über dem Kopf“ sieht es nicht viel besser aus. Dem Argument, dass die Preisanstiege ausschließlich eine Folge des Ukraine-Krieges seien, kann ich nur zum Teil zustimmen. Auch im Schatten des jetzigen Krieges nutzen manche die Gelegenheit, noch reicher zu werden, z.B. die Waffenindustrie, aber nicht nur.

Josef Laner
Josef Laner

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