Irgendetwas läuft da schief

Publiziert in 31 / 2009 - Erschienen am 9. September 2009
Immer öfter und immer heftiger lässt uns die Natur spüren, wie klein und machtlos wir Erdenbürger sind. Auf unserer Welt wird es Jahr für Jahr wärmer. Den Eisbären schmilzt der kalte Boden unter den Pranken weg, die Meere knabbern an den Küsten. Es wird nicht mehr lange dauern, bis viele Menschen den Rückzug antreten müssen. Nicht tausende, sondern Millionen. Es wird um das ­gehen, was alle Lebewesen auf dieser Erde brauchen: Luft, Wasser, Nahrung und einen sicheren Platz, wo man bleiben kann. So einfach ist das und doch so schwierig. Schwierig, weil wir uns diese Suppe - mindestens zum Teil - sicher selbst einberockt haben. Wir fahren fast alle mit tonnenschweren Untersätzen über endlose Asphaltbahnen. Zig Millionen Menschen leben zusammengepfercht und gleichzeitig einsam in gigantischen Labyrinthen aus Beton, Stahl und Glas. Hie und da ein Baum, ein verirrter Vogel und manchmal - wenn die Smogwolken etwas aufhellen - ein fahler Sonnenstrahl. Schwierig auch deshalb, weil nur etwa die Hälfte der Welt „technisiert“ ist. Die andere Hälfte, wo Millionen von Menschen Hunger leiden, will das aber auch. Wer Hunger hat, kümmert sich zunächst darum, etwas in den Mund zu bekommen. Erst dann wird er sich fragen, was mit der Umwelt geschieht oder geschehen sollte. Die dritte Weltklimakonferenz von Genf hat am 3. September 2009 die Schaffung eines globalen Netzwerks für Klimainformationen beschlossen. Eine Deklaration, wonach die Menschen auf der ganzen Welt Zugang zu teilweise überlebenswichtigen Klimainformationen erhalten sollen. Ist das alles? Den Klimawandel werden die Menschen nur dann einigermaßen verkraften, wenn sie zusammenschauen und gemeinsam handeln. Das ist nur möglich, wenn Gräben verschwinden. Gräben zwischen reich und arm, zwischen religiösen Anschauungen, zwischen modernem Kolonialismus und Ausbeutung, zwischen Nord und Süd. Überspitzt gesagt: Es geht um das nackte Überleben. Nicht irgendwo, sondern überall, auch hier in Südtirol. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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