Jedes Unternehmen versteht es. Wir auch?

Publiziert in 9 / 2010 - Erschienen am 10. März 2010
1992: Da studierte ich an der S.F. State University und belegte einen Kurs in Frauenstudien. Ein Club der Verschworenen war es, extrem cool, extrem radikal und extrem feministisch. Sie kämpften, auch gegen Frauen, die keine radikale Position bezogen. Ganz anders die Professorin des Geschichtsseminars: Auch bei ihr ging es um weibliche Errungenschaften: Von starken Persönlichkeiten zu den Vorkämpferinnen der Frauenbewegung. Aber: dieser Kurs war Pflichtfach. Es wimmelte dort von männlichen Kommilitonen, die den Kurs belegen mussten! Sie predigte nicht zu den schon Bekehrten, es war spannend – für alle. 2010: Was hat das mit uns zu tun? Beide Kurse braucht es. Wer etwas verändern will, benötigt den Willen, sich nicht nur Freunde zu machen. Hartnäckigkeit und Sturheit gehören dazu. Viele scheinen sich zu sorgen, dass das Gleichstellungsgesetz Kompetenz untergrabe. Aber die Realität sieht anders aus und ohne dieses Gesetz geht nichts weiter. Skandinavien hätte es ohne Quote nicht zu seiner Politik-Präsenz (und Chefetagen-Präsenz!) von Frauen gebracht. Was sich in der Politik für Familien und für Bildung auswirkt. Die Geschichtsprofessorin aus S.F. hat klug gehandelt. Hat Männer für starke Frauen begeistern können. Um dies zu tun, musste sie erst diesen Posten haben. Also heißt es für kompetente Frauen bei uns: mehr (gesellschafts-)politisches Engagement! Und selbst jene Frau, die den Job als Familien-Managerin einige Jahre lang ausüben will, braucht diejenigen, die sich dafür einsetzen, dass die Arbeit in der Familie honoriert und entlohnt wird. Der Posten wäre dann auch attraktiv für Väter. Frauen verdienen EU-weit im Durchschnitt 15 Prozent weniger Lohn für gleiche Leistung – bei ständig sinkenden Reallöhnen lauert die Altersarmutsfalle. Gleicher Lohn und gleiche Rente – dieser Antrag wurde im Südtiroler Landtag abgelehnt. Aber wir brauchen die Umsetzung solcher Anträge. Je gerechter Frauen entlohnt werden (ob außerhalb oder IN der Familie), desto mehr profitiert die Allgemeinheit. Allen voran ihre Partner und Kinder. Wie schwer ist das eigentlich zu verstehen? Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein
Vinschger Sonderausgabe

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