Komplizierte Welt

Publiziert in 43 / 2017 - Erschienen am 5. Dezember 2017

Mit der Digitalisierung wird vieles einfacher, die Bürokratie wird abnehmen. Solche Versprechen hören wir immer wieder. Vor allem vor Wahlen. Vielleicht bin ich einfach zu wenig modern, aber ich habe den Eindruck, dass die Welt nicht einfacher, sondern immer komplizierter wird. Obwohl immer mehr Dinge über den Computer oder das Mobiltelefon hereintrudeln und verschickt werden, bleiben die Zettel nicht aus. Vieles wird trotzdem ausgedruckt, weil man bestimmte Dokumente aufbewahren will oder muss oder weil man sie irgendwo abzugeben hat. Beim Suchen von Zetteln tut man sich oft leichter, sie aus irgendeinem Ordner herauszufischen, als ihnen in digitalen Archiven auf die Spur zu kommen. Bürokratie ist außerdem nicht gratis, sondern sie kostet. Ein kleines Beispiel: neulich wurde mir ein „grüner Umschlag“ zugestellt. Der „Gruß“ einer Speed-Box. Zuerst landete ein Hinweis im Briefkasten, dass Post lagernd sei. Am nächsten Tag kam erneut ein Hinweis. Ich musste unterschreiben, dass ich den Hinweis erhalten habe. Am übernächsten Tag kam ich - nach weiteren Unterschriften - im Postamt endlich zum „Gruß“: 28,70 Euro wegen Geschwindigkeitsübertretung + 6,60 Euro als Zustellspesen + 8,56 als Feststellungsspesen. Fazit: zu schnell fahren kostet und auch die Bürokratie kostet. Wenn man nicht innerhalb von 5 Tagen „zurückgrüßt“, steigt die Summe von 43,86 auf 56,16 Euro. Das wären dann ziemlich genau 50% Bußgeld und 50% Bürokratie.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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