Lieber Covid als Hungertod

Publiziert in 20 / 2020 - Erschienen am 4. Juni 2020

Es lässt uns einfach nicht los, dieses verdammte Virus. Fast alles, was derzeit geschieht oder nicht geschieht, hat direkt oder indirekt mit Covid-19 zu tun. Am sichtbarsten ist der unsichtbare Feind an den verdeckten Mündern und Nasen der Menschen. Was keiner für möglich hielt, wurde in Nullkommanichts so gut wie normal. Nicht nur in smogverseuchten Städten werden jetzt Masken getragen, sondern auch im Land der Berge. Die meisten nehmen die Regel ernst. Und den Abstand hält man zum Großteil ebenfalls ein. Recht viel mehr kann man derzeit weltweit nicht tun, um gegen das Virus anzukommen. Wir sind ganz schön hilflos. Selbst die Wissenschaft weiß noch lange nicht alles. Und auf Medikamente und Impfstoffe kann man derzeit nur hoffen. Wir sitzen ganz schön in der Tinte. Alle gemeinsam und jeder für sich. Das Virus trifft die Substanz. Es gefährdet die Gesundheit, bringt die Gesundheitssysteme an die Grenzen, lässt die Wirtschaft einbrechen und wirft die Psyche vieler Menschen aus den Schienen. Wie sich das monatelange Eingesperrtsein zum Beispiel auf viele Kinder und Jugendliche ausgewirkt hat, ist noch nicht absehbar. Nicht weniger schwer wiegen auch die Leiden vieler älterer Menschen. Fast „natürlich“ ist, dass das Virus die Menschen der ärmsten Länder auf der Welt am schwersten trifft. In jeder Hinsicht. Nicht vergessen kann ich den Satz, den ein Inder in einem Interview sagte: „Ich ziehe es vor, infiziert zu werden als zu verhungern.“

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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