Menschenkapital

Publiziert in 43 / 2018 - Erschienen am 12. Dezember 2018

Wenn sich das Jahr zu Ende neigt, wird Bilanz gezogen. Wie lief das Geschäft? Wie hoch war der Umsatz? Wurde der Gewinn gesteigert? Haben sich die Investitionen gelohnt? Wie steht es mit dem Humankapital? In der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet diese besondere Art von „Kapital“ die „personengebundenen Wissensbestandteile in den Köpfen der Mitarbeiter“. Das Humankapital kann somit als Faktor der Produktion angesehen werden. Neben dem Humankapital gibt es auch das Humanvermögen, die Humanressourcen und das Humanpotenzial. Ganz so human, sprich menschlich, erscheinen mir diese Begriffe nicht. In der Sprache der Wirtschaft werden sie zwar ihre Berechtigung haben, aber sie „riechen“ stark nach Geld, Bilanz und Zahlen. Immerhin stecken hinter dem Humankapital einzelne Menschen. Frauen und Männer. Auch in den Bilanzen schlägt dieses „Kapital“ zu Buche. Unter dem Ausgabenkapital Personal. Ein Kostenfaktor also. Für jenen Teil des Humankapitals, dem es am besten gelingt, das Kapital zu vermehren und den Gewinn zu steigern, fällt am meisten ab. Wer ganz unten auf der Skala seine Leistung erbringt, indem er zum Beispiel Toiletten und Büros putzt oder Straßen kehrt, wird sicher nicht reich. Die „ökonomischen“ Bewertungen von Menschen aufgrund ihrer Arbeit oder ihres Verdienstes dürfen nicht dazu führen, sie auch sonst in Gruppen oder Klassen einzuteilen. Jede und jeder ist gleich viel wert. Egal, welcher Arbeit man nachgeht. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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