Nebenwirkungen

Publiziert in 6 / 2019 - Erschienen am 19. Februar 2019

Über 530.000 Menschen leben in Südtirol. Der Großteil auf relativ begrenztem Raum in den Städten und Talsohlen. Etwas weiter oben gibt es noch die Bergbauern und dann kommt das Revier der Natur. Es ist ein schönes Land. Für die Einheimischen ist es Heimat, für die Gäste ein beliebtes Urlaubsziel. Die Natur und die Landschaft sind der größte Schatz, den wir haben. Das sagen alle. Der Tourismus ist schon längst zu einem wichtigen Ast geworden, auf dem viele der 530.000 direkt oder indirekt sitzen. Und das ist gut so. Relativ klein wirkt die Zahl 530.000, wenn man sie mit jener der Nächtigungen vergleicht. 2018 waren es erstmals über 33 Millionen. Das sind ganz schön viele. Jede Menge Geld für die Tourismusbranche, weitere Wirtschaftszweige und andere Mitnascher. Aber auch jede Menge Folgen. Und dazu gehören nicht nur der Verkehr oder die steigende Vereinnahmung von Natur und Landschaft, sondern noch weitere Auswüchse, die durchaus auch an die Substanz gehen können. An Fundamente wie Identität, Heimat und Tradition. Während es in manchen Gebieten im Vinschgau durchaus noch Aufholbedarf im Tourismus gibt, droht die Situation in anderen Gegenden zu kippen. Wenn zum Beispiel Bräuche und Traditionen fast nur noch der Gäste wegen erhalten werden, sind die Grenzen schon überschritten. Wer Heimat, Identität und Tradition in diesem Sinne vermarktet, verkauft sich über kurz oder lang selbst. Mit allen Nebenwirkungen. 

Josef Laner
Josef Laner
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