Nichts gegen Italien, aber...
Publiziert in 8 / 2010 - Erschienen am 3. März 2010
...manche Kleinigkeiten, die sich im Land der Kunst, der Sonne und der Liebe zutragen, vermögen mich einfach nicht zu erwärmen. Von den „Großigkeiten“ wie Korruption, Mafia oder Steuerhinterziehung will ich gar nicht sprechen. Jede Regierung, welchen politischen Couleurs auch immer, verspricht dagegen vorzugehen. Das Resultat bleibt allerdings immer dasselbe: nichts passiert. 18 Jahre nach „Tangentopoli“ sind die Hände von Politikern, Unternehmern und anderen Persönlichkeiten, die Tag für Tag aus den Bildschirmen lächeln, nicht sauberer geworden.
Aber lassen wir die „Großigkeiten“ beiseite, mit denen befassen sich schon andere. Es gibt im Staat, in dem wir leben müssen, auch genug Kleinigkeiten, die einem die Galle hochjagen. Vielleicht war es einfach nur Pech, aber als reine Zufälle möchte ich das, was ich unlängst binnen kürzester Zeit in Mailand erlebte, auch nicht abtun.
Angefangen hat alles im internationalen Flughafen Malpensa bei Mailand. Kurz nach der Landung am späten Nachmittag ging ich zum „ufficio informazioni“, weil ich eine Auskunft brauchte. Das Büro war da, die zwei Schalterstühle aber waren leer.
Kurze Zeit später im umgebauten Zentralbahnhof: „Ich bräuchte eine Fahrkarte bis Schlanders...’Silandro in Alto Adige’“. „Silandro? Mai sentito?“, tönt mir die nette Dame entgegen. Als ich ihr freundlich erklärte, dass wir eine Bahn haben, die seit 5 Jahren wieder fährt, zeigt sie sich entgegenkommend und verspricht, sich bei ihrem Vorgesetzten zu informieren. Ich möchte doch etwas später wieder kommen. Um der armen Frau keine Schwierigkeiten zu bereiten, löse ich eine Fahrkarte bis Meran.
Sprichwörtlich verschluckt habe ich mich dann in einer Bar in der Nähe des Bahnhofes: 5 Euro für ein kleines Bier. Das Glas trug das Markenzeichen der Spezialbierbrauerei Forst und ich sagte zum Kellner. „Dieses Bier kommt aus meiner Heimat und dort kostet es zwischen 1,6 und 1,7 Euro.“ Der Kellner darauf: „Nur das Glas ist von der Forst, das Bier darin ist ein anderes, ein hochwertigeres.“ In einem Punkt hatte er Recht: das Bier war tatsächlich anderes, es schmeckte scheußlich.
Sepp Laner (redaktion@dervinschger.it)
Josef Laner