Pass, Pass, Pass

Publiziert in 32 / 2018 - Erschienen am 25. September 2018

Südtirol-Pass, Doppel-Pass, Bypass. Das Wort Pass gehörte in den vergangenen Wochen zu jenen Begriffen, die in den Medien sehr oft genannt wurden. Aber es gibt auch die Passstraße, die Passhöhe, das Passwort. Irgendwie haben alle Begriffe damit zu tun, dass man etwas überwindet, dass man einen Zugang bekommt, dass man passieren darf. Mit der politischen Diskussion über den Doppel-Pass kommt man aber nicht sehr weit. Sie führt eher zurück in die Vergangenheit. Außerdem dürfte es nicht so sein, dass die doppelte Staatsbürgerschaft tatsächlich vielen Menschen unter den Nägeln brennt. In Vorwahlzeiten ist aber so Manches anders. Vieles, was jetzt breitgetreten und breitgeredet wird, versinkt nach den Wahlen in der Kiste des Vergessenen. Dass viele Südtiroler gefühlsmäßig mit dem alten Vaterland verbunden sind, liegt auf der Hand. Nur schwer erklären kann ich mir aber, was der Doppel-Pass tatsächlich bringen soll. Dass das Bier in Nauders billiger wird, wenn ich den österreichischen Pass auf die Theke knalle, ist wohl nicht zu erwarten. Aber Scherz beiseite: Bei allem bürokratischen und finanziellen Aufwand, den die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft mit sich brächte, könnten mitten in Europa Trennungen entstehen und neue Gräben aufgerissen werden. Wer darf den Pass beantragen und wer nicht? Mir kommt das Ganze irgendwie vor wie bei einer Mutter, die ihre Kinder in die Eisdiele einlädt, wo aber nur einige ihrer Kinder ein Eis bekommen.  

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Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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