Politisches Kino

Publiziert in 5-6 / 2021 - Erschienen am 18. Februar 2021

Online geht es zwar auch, aber das Wahre ist es nicht, wenn man sich bei Gemeinderatssitzungen nur mehr virtuell trifft. Zu einer wirklichen Diskussion kommt es nicht mehr und zu einem gemeinsamen „Glasl“ nachher schon gar nicht. So oder so ähnlich äußern sich viele Ratsmitglieder, die schon seit Monaten nur mehr online mitreden und abstimmen. Nicht immer eingeschaltet bleibt die Kamera zu Hause. Es schauen einem schließlich nicht nur die Ratskollegen zu, sondern auch Mitbürgerinnen und Mitbürger. Bei Sitzungen in Prad zum Beispiel wurden bereits mehrfach bis zu 200 Zugeschaltete verzeichnet. Das sind deutlich mehr als in der Vergangenheit bei Bürgerversammlungen gezählt wurden. Die wachsende, wenn auch nur virtuelle Bindung zwischen Gemeinderat und Bevölkerung ist sicher eine positive Entwicklung. Die Ratsmitglieder wissen natürlich, dass viele mithören und mitsehen. Sie sind sozusagen die Darsteller dieser neuen Art von „politischem Kino“ und wollen dem „Publikum“ gefallen. Weit schwieriger gestaltet sich das „politische Kino“ auf Landesebene. Hier schaut die gesamte Bevölkerung zu und bekommt das, was beschlossen wird, schnell und hautnah zu spüren. Geht ein Schuss daneben, wird sofort nach Sündenböcken gesucht und nach Rücktritten geschrien. Regierungsverantwortliche, die in außergewöhnlichen Krisenzeiten immer das Richtige tun, gibt es keine. Bayerns Ministerpräsident Söder hätte sich das Kehren vor unserer Haustür in diesem Sinne ruhig ersparen können.

Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.