Politmarketing

Publiziert in 39 / 2019 - Erschienen am 12. November 2019

Es ist schon etliche Jahre her, dass uns Polemiken um bestimmte Kranzniederlegungen an bestimmten Orten erspart bleiben. Ausgeblieben ist der Spuk auch deshalb, weil sich die Medien nur mehr ein bisschen oder überhaupt nicht mehr darum scherten, wenn ein paar Leute herumstanden und auf Kameras und Mikrofone warteten. Um öffentliche Aufmerksamkeit zu erhaschen, macht man fast alles. Firmen und Konzerne gehen oft an das Limit. Sexistisch, diskriminierend, beleidigend, rassistisch oder faschistisch: alles haben wir schon auf Werbeplakaten gesehen. Ziel ist es, aufzufallen. „Normale“ Slogans und Bilder reichen nicht mehr. Den Parteien geht es zwar in erster Linie um Stimmen, die Marketingmethoden aber ähneln sich immer mehr. Man muss auffallen. Bewusst provozieren will eine Partei in Südtirol mit einer Kampagne, bei der ein Toter, der auf einem Obduktionstisch liegt, herhalten muss. Mit den „Aufschriften“ dazu soll auf das Recht zum Gebrauch der Muttersprache in den Krankenhäusern verwiesen werden. Über den Zweck bzw. Inhalt der Kampagne will ich mich nicht äußern, die Form aber ist unterste Schublade. Da mag sich die Partei „unbeeindruckt und gelassen“ zeigen, so lange sie will. Wenn andere einen „Fehlgriff“ machen, wie es etwa mit der Abbildung des Siegesdenkmals auf der Titelseite eines Telefonbuchs geschehen sein mag, schreit dieselbe Partei sofort: äußerst geschmacklos. Kann es sein, dass da irgendetwas nicht zusammenpasst?

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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