Schreier

Publiziert in 35-36 / 2021 - Erschienen am 26. Oktober 2021

Schon als Kleinkind meinte man häufig, mit Schreien ans Ziel zu kommen. War meist nicht der Fall. Auch im Erwachsenenalter wollen viele durch „Schreien“ gehört werden. Und schreien dann umso lauter. Wird einmal mehr in Coronavirus-Zeiten klar. Denn: In solchen Zeiten schlägt auch die Stunde der Populisten. Das sind sozusagen die erwachsen gewordenen Schreier. In Zeiten wie diesen finden sie freilich genug Nahrung. Und genug Gründe zum Schreien. Oder sie klatschen einfach in die Hände. So wie bei den Protesten in Bozen. Vorweg: Das Demonstrations-Recht ist ein Grundpfeiler der Demokratie. Wichtig und richtig. Wichtig und richtig ist es aber auch, Schreier zu ignorieren. Auch wenn es ironisch anmaßt, wenn stramme Tiroler und Faschisten in Italien gemeinsam schreien. Wenn es um Impfthemen, Green Pass und Co. geht, da können Populisten schon mal auf Prinzipien verzichten. Dass wenige hundert Schreier – selbst wenn es mal die angelobten knapp tausend sind – aber nur eine kleine (aber laute) Minderheit unter der Wahrnehmungsgrenze sind und die restlichen rund 520.000 Südtiroler ein anderes Bild zeichnen, muss erlaubt sein festzustellen.

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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