Sehr, sehr schwer

Publiziert in 7 / 2020 - Erschienen am 25. Februar 2020

Es sind schon Jahrzehnte her, als bei Ratssitzungen in Schlanders einige Volksvertreter nach langen Debatten in ein Nebenzimmer gingen, sich ein Bier holten und munter weiterdiskutierten. Über kleine und große Dinge, über Gott und die Welt. Aber es wurde debattiert, mitunter auch gestänkert und politisiert. Nicht nur in Schlanders. Irgendwie ging es früher weniger formell zu, dafür aber etwas menschlicher, wenn auch nicht immer im positiven Sinn. Früher hat man vor Wahlen auch auf der Straße und im Gasthaus diskutiert und gestritten. Inzwischen hat das Interesse an der „kleinen“ Gemeindepolitik teils spürbar abgenommen. Es ist alles andere als leicht, Leute für eine Gemeinderats-Kandidatur zu überreden. Das betrifft mehr oder weniger alle Parteien und Listen. „Bitte helft uns, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, egal für welche Liste“, sagte der Glurnser Bürgermeister am Rande der jüngsten Ratssitzung. Es sei „sehr, sehr schwer“, Personen zu überzeugen. Mit diesem Problem sieht sich nicht nur das „Stadtl“ konfrontiert, sondern viele Gemeinden landauf landab. In der Vergangenheit wurde oft davon gesprochen, den Gemeinderat aufzuwerten. Gelingen kann das nur, wenn den Ratsmitgliedern tatsächlich Mitgestaltungsmöglichkeiten geboten werden und sie ihrerseits bereit sind, sich wirklich ins Zeug zu legen. Die ausschließliche Teilnahme an den Ratssitzungen und das sporadische Stellen von Fragen sind viel zu wenig.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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