Spiel mir das Lied vom Leben

Publiziert in 44 / 2018 - Erschienen am 18. Dezember 2018

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel rücken die Menschen zusammen. In den Familien, im Kreis der Freunde. Wer das Glück hat, auf dieser Welt nicht allein zu sein - das soll es ja auch geben - und noch dazu gesund ist, darf sich auf etwas Wärme freuen. Menschliche Wärme, die so wohl tut. Auf der Erde insgesamt wird es nur aufgrund des Anstiegs der Durchschnittstemperatur wärmer. Sonst aber - so kommt es jedenfalls mir vor - wird es zusehends rauer, grober und kälter. Immer mehr Staaten driften nach rechts. Das nationalstaatliche Denken ist im Aufwind. Demokratische Grundpfeiler geraten ins Wanken, der Egoismus erstarkt, individuell und auch kollektiv. Wirtschaftlich starke Staaten bzw. Staatengemeinschaften schotten sich ab, errichten Mauern und Barrieren. Zum Selbstschutz, wie die Populisten predigen. In Wahrheit geht es aber oft nur darum, den Armen den Zutritt zu verwehren. Im Vorjahr „irrten“ weltweit über 68,5 Millionen Menschen umher. Sie flohen vor Kriegen, Verfolgung und Hunger. Die Hoffnung, eine Herberge zu finden, wird indessen vielerorts geringer. Es sind die „Starken“, die den Ton angeben. Notfalls auch mit Wild-West-Manieren. Ich liebe Western-Filme, warte aber schon seit langem auf einen neuen Streifen. Nicht das Lied vom Tod möchte ich hören, sondern jenes vom Leben. Oder ein Lied der Hoffnung. „Stell dir vor, es gibt keinen Himmel“, hat John Lennon gesungen, und „stell dir vor, alle Menschen leben in Frieden.“

Josef Laner
Josef Laner

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