Spiel mit dem Feuer

Europa ist ein Friedensprojekt. Nicht nur Angela Merkel sagt das immer wieder. Zerbröckelt Europa, zerbröselt auch die Gewähr für den Erhalt des Friedens. Schon Wochen vor dem Referendum in Katalonien hatten sich die Fronten zwischen Madrid und Barcelona verhärtet. Dass es am 1. Oktober zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen würde, war absehbar. Die Gewalt, mit der der Staat teilweise vorging, ist natürlich zu verurteilen. Befürchtungen, wonach es in Zukunft weit schlimmer kommen könnte, sind leider berechtigt. Vor allem nach der Ankündigung der katalanischen Regierung, eventuell die Unabhängigkeit auszurufen, hat sich die Lage zugespitzt. Abgesehen von allen Diskussionen rund um die rechtlichen Aspekte einer Los­lösung vom Staat ist das, was in Katalonien geschieht, ein Spiel mit dem Feuer. Ohne eine Dialogbereitschaft beider Seiten kann es nur böse enden. Niemand glaubt daran, dass Madrid diese reiche Region „ziehen“ lässt. Übrigens sind nicht alle Menschen in Katalonien Katalanen. Ein Gutteil der Gesetze ist europäischen Ursprungs. Es ist auch nicht so, dass der Staat die Region unterjocht oder die Katalanen gezielt unterdrückt. Dass nun die EU den Konflikt aus der Welt räumt, ist nicht zu erwarten. Wohl aber muss sich Europa um einen Dialog zwischen Madrid und Barcelona bemühen. Der Dialog ist der einzige richtige Weg, um das Pulverfass zu entschärfen. Im Interesse der Katalanen, der Spanier und aller Europäer.

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Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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