Trafoi steht mit dem Rücken zur Wand
Publiziert in 5 / 2009 - Erschienen am 11. Februar 2009
Wohl nicht ganz unerwartet, aber dennoch eiskalt trifft die Trafoier die Nachricht, dass die Zukunft des kleinen Skigebietes auf Messers Schneide steht. Es hängt alles davon ab, ob Walter Klaus zu seinem Versprechen, das Skigebiet zu modernisieren, immer noch steht (siehe Seite 10). Ganz nüchtern betrachtet dürfte es – besonders in Zeiten wie diesen - keinen Investor reizen, etliche Millionen Euro in ein kleines Skigebiet zu stecken, das wohl nie die Chance haben wird, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn Klaus dennoch ja sagt, wäre dies schlicht und einfach ein Geschenk. Zusätzliche Millionen von Euro an Steuergeld wären ohnehin notwendig.
Wahr ist aber auch, dass Klaus sein Versprechen gegeben hat. Löst er es nicht mehr ein, haben die Trafoier recht, wenn sie sich hingehalten, ja an der Nase herum geführt fühlen. Auch wenn Klaus und das Land zahlen, ist das Skigebiet auf längere Sicht wohl nur schwer zu halten. Mit nur ein paar hundert Gästebetten ist es unmöglich, ein Skigebiet ohne Verluste zu betreiben. Dass ein Teil der Lifte in Trafoi überhaupt noch läuft, ist der Muttergesellschaft Seilbahnen Sulden GmbH (also Walter Klaus) zu verdanken, die Jahr für Jahr die hohen Defizite abdeckt. Dabei muss Sulden auch an seine eigene Zukunft denken. Was wäre Sulden ohne die neue Beschneiung? Wenn es Sulden schlechter geht, ist den Trafoiern nicht geholfen.
Tatsache ist, dass kleinere Skigebiete heutzutage nicht deshalb überleben, weil sie sich wirtschaftlich tragen, sondern weil sie als „soziale“ Einrichtungen vom Steuerzahler oder von Privaten mitgetragen werden, wie dies auch bei so manchen Frei- und Hallenbädern der Fall ist. Auch für Trafoi ist eine „soziale“ Lösung denkbar. Besser aber ist es vielleicht, an Alternativen zu denken: Panoramastraße auf das Stilfserjoch, noch stärkere Aufwertung als Nationalparkregion, Synergien mit Sulden. Eines ist klar: Trafoi darf nicht im Regen stehen bleiben. Die Politik muss sich viel mehr für Trafoi und für mögliche Überlebens- oder Entwicklungschancen einsetzen. Nur sagen, dass das Wohl oder Weh eines Dorfes von der Entscheidung eines einzigen privaten Investors abhängt, ist mir zu wenig, und so manchen Trafoiern vermutlich auch. Sepp Laner
Josef Laner