Was haben die Schützen mit dem „Wastl“ am Hut?

Publiziert in 16 / 2009 - Erschienen am 29. April 2009
Der Südtiroler Schützenbund zählt über 5.000 Mitglieder. Rund die Hälfte davon marschierte am Tag, an dem ganz ­Italien die Befreiung vom Faschismus feierte, in Bruneck auf, um gegen das „faschistische Alpini-Denkmal“, den „Kapuziner-Wastl“, zu protestieren. Viele Schützen sind aber auch zuhause geblieben. „Ist es wirklich die Aufgabe von uns Schützen, gegen kriegerische Greueltaten zu mar­schieren, die das faschistische Italien im Äthiopien-Krieg begangen hat?“ fragten sich etwa der Schlanders Schützenhauptmann Karl Pfitscher und Leutnant Werner Schuster, die am 25. April nicht nach Bruneck gefahren sind. Es sei des ­Guten zuviel, nur wenige Monate nach dem gelungenen Protestmarsch in Bozen vom 8. November 2008 erneut auf die Straße zu gehen. „Die Schützen laufen immer mehr Gefahr, sich parteipolitisch missbrauchen zu lassen, etwa von Sven Knoll und anderen,“ sind Pfitscher und Schuster überzeugt. Voll aus der Reihe tanzen sie – und nicht nur sie – auch mit ihrer Haltung zum Mitragen der Dornenkrone beim Festumzug, der im Herbst anlässlich des Gedenkjahres 1809-2009 in Innsbruck stattfindet: „Diese Dornenkrone ist nicht mehr zeitgemäß.“ Für nicht mehr zeitgemäß halte ich auch die Endlos-Diskussionen rund um faschistische Überbleibsel aus Stein, die den Faschismus bis heute überlebt haben. Mir tut das Siegesdenkmal in Bozen nur insofern „weh“, als dass die Menschen, die es sehen, nicht darüber aufgeklärt werden, was es damit auf sich hat. Wenn mich jemand fragt, was das für ein Denkmal ist, fühle ich mich keineswegs beleidigt. Im Gegenteil, ich erkläre gerne, was die „Anderen“ uns damals angetan haben. Das Problem sind nicht stumme Steinhaufen, sondern „Denkmäler“ in den Köpfen, und zwar auf allen Seiten. Und ein weiteres Problem ist die Provokation: Die Schützen kündigen den Protestmarsch an, der Quästor „stutzt“, fast alle Parteien fallen über ihn her, der Seppi legt einen Kranz nieder, die Biancofiore fordert die Auflösung der Schützen, die Schützen diskutieren, die Zeitungen füllen die Seiten...und der „Wastl“ steht noch immer auf seinem Sockel. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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