Was heißt denn regional?

Publiziert in 31 / 2010 - Erschienen am 8. September 2010
Intensiv und realitätsbezogen hat sich die Bäuerinnenspitze fünf europäischer Länder kürzlich im Biohotel Panorama in Mals mit dem Thema „Regionale Ernährung“ auseinandergesetzt (siehe Bericht auf Seite 6). Doch was bedeutet regional? Was sind die Vorteile von regionalen Produkten? Sind das nicht nur einige wenige Spezialitäten eines Landes? Keineswegs, so die Vorsitzenden und Geschäftsführerinnen der Bäuerinnen und Landfrauen von Österreich, Lichtenstein, Südtirol, Deutschland und der Schweiz! Auch Grundnahrungsmittel gehören zu den regionalen Produkten, die heimische Kartoffel genauso wie der Wein, die Freilandeier und der Almkäse. Was aber nicht bedeutet, dass man sich nicht einmal einen französischen Wein, einen Pecorino aus der Toskana oder eine Münchner Weißwurst gönnen darf! Schließlich sollen ja unsere Südtiroler Äpfel auch in anderen Ländern gegessen werden. Die Grundhaltung ist entscheidend: gebe ich den regionalen Produkten einen Stellenwert und setze ich mich für die Wertschöpfung in der Region ein? Kaufe ich ökologisch vertretbare Lebensmittel, die Ressourcen schonend produziert und nicht um die halbe Welt gekarrt werden? Muss ich im Winter Erd­beeren haben oder ist mir Saisonalität wichtig? Der Kauf billiger, globaler Nahrungsmittel zeigt Auswirkungen für die regionale Landwirtschaft und hat große ökonomische Folgen für die regionalen Bauernfamilien. Andererseits sind Bauern und Bäuerinnen in den Ländern des Südens aufgrund des globalen wirtschaftlichen Drucks oft Ausbeutung und Unter­drückung ausgesetzt und arbeiten für einen Hungerlohn unter schlechten Bedingungen und ohne soziale Absicherung. Eines ist sicher: Die bäuerliche Landwirtschaft trägt zur regionalen Wertschöpfung bei, sichert Arbeitsplätze und ist ein tragender Pfeiler für den Tourismussektor und für das soziale Leben in den Dörfern. Lassen wir neue lokale Chancen entstehen und schaffen wir ein nachhaltiges und ökonomisches Standbein für unsere Höfe, die uns ihre qualitativ hochwertigen Produkte in ihren Hofläden, auf Bauernmärkten und in Bauernläden, aber auch im Einzelhandel in unseren Dörfern anbieten! Ingeborg Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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