Was ist normal?

Publiziert in 25 / 2020 - Erschienen am 23. Juli 2020

Auf der Straße, in der Bar, bei Reden von Politikern, in der Familie, im Freundeskreis. Die Hoffnung, dass nach dem Covid-19-Ausnahmezustand wieder die Normalität zurückkehren möge, ist überall zu spüren. „Es wird schon wieder werden“, heißt es, oder: „Wenn wir vorsichtig bleiben und die Regeln einhalten, wird die Normalität wieder kommen.“ Abgesehen von wenigen Superschlauen, die immer noch glauben, Covid-19 sei nur eine Grippe, und von unverbesserlichen Verschwörungstheoretikern ist die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität der größte gemeinsame Nenner des weitaus größten Teils der Bevölkerung. In Südtirol ebenso wie in Europa, ja auf der ganzen Welt. Was die Menschen mehr spaltet, ist das, was sie sich unter Normalität vorstellen. Für die einen ist es eine Wiederkehr von dem, was war, für die anderen muss man zu einer neuen Normalität finden. Es sollte nicht mehr alles auf Wachstum ausgerichtet werden, es sollte mehr auf die Umwelt und Natur geachtet werden, es sollte mehr Gerechtigkeit und Solidarität geben, es sollte alles langsamer werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass viele dieser Wünsche nur Wünsche bleiben, ist groß. Die Anzeichen dafür sind vielerorts zu spüren. Nehmen wir das Beispiel Verkehr. Es geht schon wieder ganz schön rund auf unseren Straßen, auf 2, 4, 6 und mehr Rädern. Ich wage es kaum zu sagen, aber was den Verkehr und Lärm insgesamt betrifft, habe ich ein bisschen Sehnsucht nach jener Zeit, die andererseits zum Glück vorbei ist.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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