Weder Arzt noch Apotheker  

Publiziert in 13 / 2018 - Erschienen am 10. April 2018


Die Wirtschaft floriert, das Gastgewerbe - und nicht nur - ist fast außerstande, genug Arbeitskräfte zu finden, die Wintersaison war super, das Wirtschaftswachstum übersteigt die Erwartungen. Fast alle Barometer, die mit Wirtschaft zu tun haben, zeigen in Südtirol derzeit nach oben. Müsste das „Bergvölkchen“ da nicht von früh bis spät frohlocken und rundum glücklich sein? Mit einem eindeutigen „Ja“ werden diese Frage wohl nur jene beantworten, die das Wohlergehen der Menschen allein mit wirtschaftlichen, sprich materiellen Maßstäben messen. Ob die Menschen aber tatsächlich glücklich sind, ob sie frei sind, ob sie geliebt werden und lieben können, sind ganz andere Fragen. Und viele Antworten darauf zeigen nach unten. Ergeben hat dies auch die von Karl Perfler durchgeführte Befragung (siehe Seite 10). Unter den Teppich kehren lassen sich die Ergebnisse nicht. Perfler hat immerhin mit 1.600 Menschen, vorwiegend im Vinschgau, gesprochen. Wenn zum Beispiel 43% der Befragten unzufrieden sind und 62% den Politikern nicht vertrauen, muss doch einiges schief laufen im Land der Berge. Diese Ergebnisse sind weniger das Spiegelbild des materiellen Befindens, sondern des seelischen. Dass die Seele vieler Menschen nach Halt, Orientierung, Glück und Liebe dürstet, hat die Befragung klar gezeigt. So einfach verschreiben lassen sich diese „Mittel“ allerdings nicht, weder vom Arzt noch vom Apotheker.

redaktion@dervinschger.it

Josef Laner
Josef Laner

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