Wohin geht Europa?

Publiziert in 17 / 2019 - Erschienen am 7. Mai 2019

Am 25. April 1945 rief das Nationale Befreiungskomitee Oberitalien (CLN) zu bewaffneten Aufständen auf. Kurz vor dem Eintreffen alliierter Truppen konnten mehrere Städte in Norditalien von der deutschen Besatzung befreit werden. Das ist der Hintergrund des Feiertages, der am 25. April begangen wird. Mittlerweile wird der 25. April allgemein als Tag der Befreiung von Faschismus und Nationalsozialismus gefeiert. Auch heuer haben Politiker an faschistische und nationalsozialistische Gräueltaten erinnert, den Einsatz der Partisanen gewürdigt, vor rechtsextremen Tendenzen gewarnt und den Wert des Friedens hochgehalten. Viele schöne Worte, die vor dem Hintergrund bestimmter Entwicklungen in immer mehr EU-Staaten allerdings stark an Glanz verlieren. Die EU wird immer wieder als ein einzigartiges gemeinsames Projekt bezeichnet, das auf friedliche Zusammenarbeit fußt. Beobachtet man aber die Wahlerfolge rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien, muss man sich fragen, wo das Gemeinsame bleibt und wie stark der Glaube an das „Friedensprojekt Europa“ noch ist. Rechtspopulisten und Nationalisten verstehen es bestens, Ängste zu schüren, den Erhalt nationaler Kulturen und Identitäten zu predigen und damit indirekt andere Gesellschaftsgruppen auszugrenzen. Wohin Europa in Zukunft geht, wird sich am 26. Mai zeigen. Rund 375 Millionen EU-Bürger/innen sind aufgerufen, ein neues Europäisches Parlament zu wählen.

Josef Laner
Josef Laner

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