Zusammen

Publiziert in 42 / 2021 - Erschienen am 16. Dezember 2021

Er lebt in einer Mietwohnung. Eines der zwei Zimmer hat er neulich einem Untermieter verpachtet. Als ich ihn kürzlich traf und fragte, was er so mache, meinte er: „Mir geht es blendend. Ich bin jetzt im Immobiliensektor tätig.“ Es ist egal, wie sich jemand gibt. Wenn es einem nicht gefällt, sich als Tellerwäscher zu bezeichnen, kann er ruhig sagen, dass er als Führungskraft eines Spezialbereichs in einem Gastronomie-Betrieb beschäftigt ist. Aber nicht nur die Bezeichnungen sind relativ, sondern auch das, was die Leute tun. Der eine ist Politiker, der andere Straßenkehrer, wieder ein anderer Verkäufer, Metzger oder was auch immer. Manche finden keine Arbeit, andere haben keinen Bock auf Schuften. Viele sind in Pension, andere studieren oder haben noch nicht das Alter für den „Ernst des Lebens.“ Wenn wir diesen „Ernst“ ablegen, sind wir alle gleich. Man sieht nicht mehr, dass manche normalerweise Krawatten tragen, am Computer hängen oder eine Schaufel schwingen. Wir sind alle gleich und gleich viel wert, egal, wo und was wir tun. Südtirol hält zusammen: diese drei Worte waren am Anfang der Pandemie oft zu hören und zu sehen. Mittlerweile ist davon nicht mehr allzu viel zu spüren, obwohl der Zusammenhalt jetzt dringender wäre als je zuvor. Gefragt ist ein Zusammenhalt, der über die Impf-Diskussionen und andere Debatten hinausreicht. Auch wenn Meinungen, Ansichten und Auffassungen auseinanderdriften, muss das Kind im Bad bleiben.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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