Entspannt nach einer gelungenen Aufführung: (1. Reihe) der bekannte Künstler Robert Hunger-Bühler mit Monika Holzner Wunderer, Präsidentin des Kulturhauses (links) und Elke Silbernagl; (2. Reihe) Martin Trafoier und Peter Silbernagl (beide Südtiroler Kulturinstitut)

Aufbruch mit Anne-Marie

Publiziert in 35-36 / 2021 - Erschienen am 26. Oktober 2021

Schlanders - Es ist mucksmäuschenstill im Theatersaal von Schlanders. Leise Hintergrundmusik auf der Bühne. Am linken Bühnenrand ein Schminktisch, vier über die Bühne verteilte vitrinenartige, altbauhohe Kästen aus Kassettenfenstern, abblätternder Charme einer Pariser Stadtwohnung. So zeigt sich Kaspar Zimpfers Bühnenraum für die Inszenierung von Yasmina Rezas „Anne-Marie, die Schönheit“ im Kulturhaus von Schlanders. Am Schminktisch sitzt Anne-Marie, eine alternde, ewig zu kurz gekommene Schauspielerin, die nie die ganz großen Rollen spielen durfte wie ihre einstige Kollegin Gisi, die nie die wirklich interessanten Männer abbekam und die nie den Sprung auf die bedeutenden Bühnen der Welt schaffte. Gegen Ende ihres Lebens bekommt sie endlich das große Interview, (vielleicht auch nur in ihrer Phantasie?), darf alles erzählen, wie das damals war, als sie sich aus der nordfranzösischen Provinz aufmachte, um die Pariser Bühnen zu erobern und dann kleine Nebenrollen bekam. Das Stück unter der Regie von Intendant Peter Carp konzentriert sich auf das Wesentliche, auf Text und Schauspielkunst. Der Schweizer Schauspieler Robert Hunger-Bühler, einem größeren Publikum durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen bekannt, war Yasmina Rezas Wunschbesetzung für dieses Stück, denn die Autorin wünschte sich aus Gründen der Allgemeingültigkeit einen Mann in der Rolle der Anne-Marie. Die gut 100 Minuten sind für einen Monolog reichlich lang geraten, doch möchte man keine der Gesten von Hunger-Bühler missen, wenn er Anne-Marie seine Stimme leiht. Und tatsächlich vergisst man bald, dass die Rolle der älteren Dame von einem Mann gespielt wird. Mit dem anspruchsvollen Stück „Anne-Marie, die Schönheit“ hat das Südtiroler Kulturinstitut seine Spielzeit 21/22 eingeläutet. Es herrscht wieder Aufbruchstimmung, Gott sei Dank!

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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