Diese Gedenktafel mit einem Zitat von Gabriel Grüner wurde an dessen Geburtshaus befestigt.
Viktoria Morasch und Matilde Viegas (v.l.): Preisträgerinnen des Gabriel Grüner Stipendiums
Die Schülerinnen Nora Nicolussi Moz (links) und Verena Pfeifhofer: Gewinnerinnen des Schüler-Preises 2019. 

Beförderung der Menschlichkeit

Zum 20. Mal wurde das Gabriel Grüner-Stipendium und zum 5. Mal der gleichnamige Schülerpreis vergeben.

Publiziert in 21 / 2019 - Erschienen am 12. Juni 2019

Mals - Es sind Frauen, die in diesem Jahr die Gewinnerteams für die besten Reportagen stellen: Victoria Morasch und die Fotografin Matilde Viegas werden sich die Stadt Karanga in Kasachstan genauer ansehen, deren zahlreiche Minderheiten unter Stalin dorthin umgesiedelt oder verbannt wurden; Journalistin Morasch stammt selbst aus Kasachstan. Der vor fünf Jahren gemeinsam mit der Agentur Zeitenspiegel, der Wochenzeitung ff und dem Bildungsausschuss Mals aus der Taufe gehobene Schülerpreis geht an Nora Nicolussi Moz und Verena Pfeifhofer aus Bruneck, die den gemeinsamen Alltag von Jugendlichen mit und ohne Behinderung im Rahmen des Projektes „Hond in Hond“ beschrieben. Sibille Tschenett, Vorsitzende des Bildungsausschusses Mals und seit sieben Jahren Mit-Organisatorin der Preisvergabe des Stipendiums, hob die lokale Verankerung des Schülerpreises hervor, der nun auch südtirolweit ausgeschrieben wird. Die diesjährige Preisverleihung geht mit dem 20. Todestag des in Mals geborenen stern-Journalisten Gabriel Grüner einher, der 1999 im Kosovo gemeinsam mit dem Fotografen Volker Krämer und dem Übersetzer Senol Alit beschossen wurde. Die Kollegen starben sofort, Grüner wenige Zeit später. Mittlerweile, so der Chefredakteur des stern, Florian Gless, kenne man auch ihren Mörder, der Mitglied des russischen Geheimdienstes war – oder noch sei.

Gedenktafel für Gabriel Grüner

Im Gedenken an den Journalisten wurde neben Stipendium und Preis eine stählerne Gedenktafel mit einem Zitat von Grüner an dessen Geburtshaus befestigt. Was ihn ausgemacht habe, stellte neben Florian Gless auch Bruder Peter klar. Beide Redner waren sich der Antriebsfeder, die den Journalisten und Menschen Grüner ausgemacht habe, sehr bewusst. „Seine große Agenda war die Menschlichkeit“, sagte Gless, der Grüner als Dozenten in der Henri Nannen-Schule erlebte: „Er war  äußerst präzise und verfügte über eine unglaubliche Gewissenhaftigkeit. Er hat das Handwerk nie vernachlässigt, aber er war nicht neutral. Er konnte nicht neutral sein“. Der Abend bot eine exzellente Gelegenheit, sich über Journalismus generell einige Gedanken zu machen. „Die Journalistengeneration von heute steht vor anderen Herausforderungen“, sagte Peter Grüner. Gabriel Grüner scheint die Balance zwischen Leidenschaft für seinen Beruf, zu dem auch das Stellungbeziehen und Sicheinmischen gehörten, wie einige von ihm organisierten Hilfsaktionen zeigten, und der präzisen, genauen und korrekten Recherche, die eben Teil des Journalistenhandwerks sind, geglückt zu sein. „Er gilt“, so Gless, „bis heute als großartiger Kollege und toller Mensch“. Das Schülerstipendium wird neben den bereits genannten auch von der Landesabteilung Deutsche Kultur und der Gemeinde Mals unterstützt.

Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein

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