Raimund Rechenmacher, ­Publikumspreis-Gewinnerin Barbara Aschenwald und Alma Svaldi.

Champagner verloren, Literaturpreis gewonnen

Publiziert in 34 / 2013 - Erschienen am 2. Oktober 2013
Der Roman „Was wir erben“ von Björn Bicker wurde am 20. September in Laas mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis ausgezeichnet. Laas - Björn Bicker hatte am 20. September einen anderen Roman im Kopf, von dem er ausging, den diesjährigen Franz-Tumler-Preis nach Hause tragen zu können: „Frühling der Barbaren“ von Jonas Lüscher. Der deutsche Autor und Dramaturg Bicker wettete also mit dem Schweizer Schriftsteller und Ethiklehrer Lüscher, dass es der jeweils andere Roman sei, der den Preis bekäme. Doch die Jury des diesjährigen Tumler-Preises, bestehend aus Sabine Gruber, Daniela Strigl, Manfred Papst, Gerhard Ruiss und Hauke Hückstädt entschied sich für „Was wir erben“. So wurde Bicker eine Flasche Champagner los, konnte aber das Preisgeld von 8.000 Euro und einen Schreibaufenthalt auf den Rimpfhöfen entgegen nehmen. Marcel Reich-Ranicki war am Abend der Preisverleihung bereits seit zwei Tagen tot - und deswegen mit zahlreichen Fernsehaufzeichnungen und Nachrufen präsenter denn je. Die öffentliche Literaturdebatte in Laas war - im Vergleich zu denen des einflussreichsten deutschsprachigen streitbaren Literaturkritikers - sicherlich um vieles zahmer. Doch der verstorbene Kritiker geisterte auch bei der Preisverleihung durch die Laaser Markus-Kirche. Reich-Ranicki, Überlebender des Holocaust, Franz Tumler, Namensgeber des Preises mit der Nähe zum Nationalsozialismus und Mitglied der NSdAP. Dass dieser Franz Tumler-Preis auch eine Bürde sei, gab Bicker offen zu. In acht Jahren Preisverleihung war der 41-jährige Bicker der erste Gewinner, der die Vergangenheit von Tumler zum Thema machte: „Es war für mich eine schwierige Entscheidung, hier herzukommen. Die 8.000 Euro sind natürlich gut, aber mit diesem Preis muss auch verbunden sein, diese Themen der politischen Vergangenheit zu behandeln“. Sein eigener Roman „Was wir erben“, dreht sich nicht unerheblich um die Vergangenheit, der Unmöglichkeit, ihr zu ent­fliehen, um Alkoholismus, Familie, Gesellschaft: eben darum, was wir erben. Die Jury begründete ihre Wahl: „Es ist ein Buch wie eine Zwiebel, deren Häutung von einer Generation erzählt, die in den frühen Siebzigern geboren wurde und von deren ererbten Verstrickungen noch wenig erzählt ist. „Was wir erben“ ist ein großer Text über deutsche Figurationen von Schuld und Mitwisserschaft, Trunksucht und verratener Liebe, von der richtiggehenden Künstlichkeit und der falschen Aufgeregtheit in der Kunst“. Den Publikumspreis erhielt die österreichische Autorin Barbara Aschenwald für ihren Roman „Omka“. Auch sie erhielt einen Schreib-Aufenthalt auf den Rimpfhöfen. Das Koordinations-Team des Literaturpreises bot in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit Vinschgau Marketing einen Tagesausflug mit den Juroren und Autoren. Die kleine Kulturreise fand am 21. September im Obervinschgau statt. kat
Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein

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