Laudatorin Christine Frei
Keramikarbeit von Christa Zeitlhofer
R. Tappeiner: Arbeit aus der Serie CAPUT
Sybille Saßmann-Hörmann, Vorsitzende der Galerie Nothburga (l.), und die Kuratorin Ina Luttinger

„Der Zen-Meister“

Ausstellungseröffnung „Innere Bilder“ in der Galerie Nothburga mit Christa Zeitlhofer und Reinhold Tappeiner

Publiziert in 15 / 2021 - Erschienen am 29. April 2021

Laas/Innsbruck - Am 6. April eröffnete die Innsbrucker Galerie Nothburga die Werkschau „Innere Bilder“ mit den Arbeiten der Keramikkünstlerin Christa Zeitlhofer und den Zeichnungen und Gemälden von Reinhold Tappeiner. Bewusst gewählt, sagt die Galerie-Vorsitzende Sybille Saßmann-Hörmann, sei der Ausstellungstitel – und passend in diese Zeit der Pandemie: „Emotionen brechen verstärkt hervor, innere Befindlichkeiten evozieren Stimmungsbilder der unterschiedlichsten Art. Vor allem Tappeiners minimalistische Kohle-Zeichnungen zeigen Gefühlsregungen in hervorragend reduzierter Weise“. Auch Christine Frei, Laudatorin der Ausstellung, stellte fest, dass Zeitlhofer und Tappeiner nicht nur die Essenz ihrer gegenwärtigen Arbeit zeigten: „Sie machen auf eine eruptiv-konzentrierte, philosophisch-reflektierte wie neugierig-explorierende Art und Weise dingfest, wie Zeit und Umstände auf sie selbst wie auch uns alle einwirken“. Es ist die zerbrechliche Ei-Form der Keramiken der in Wien lebenden Zeitlhofer und das Abbilden der Wesenhaftigkeit des Menschen bei Tappeiner, die dieser Ausstellung ihren Charakter geben. „Und sie tun das beide“, erklärte Frei, „auf eine archaisch-meisterhafte Weise, er mit Kohle, dem ältesten Malwerkzeug der Menschheit, mit dem man immer auf der Hut sein muss, sie mit dem ebenfalls ältesten Formmaterial der Menschheit, das ebenso viel Sorgfalt in der Handhabung erfordert.“

„Wir liegen in unseren Bewertungen kolossal daneben“

Aktuell ist die von Tappeiner eingefangene Wesenhaftigkeit, auf wenige Linien reduziert, auch deswegen, weil wir uns selbst in Zeiten von halben und Viertel-Gesichtern, die wir mit Masken zu sehen bekommen, eigene innere Bilder von Menschen machen. Das passiert jedem, der mit bis vor kurzem unbekannten Menschen zu tun hat – und diese Menschen erst einmal nur mit Maske kennenlernt. Wir erstellen uns ein Bild von diesem Gesicht, fügen es selbstständig zusammen, malen uns Mund, Nase und Kinnpartie aus und wundern uns dann, wenn das tatsächliche Gesicht sich als etwas anderes entpuppt als unsere Fantasie es ausgemalt hatte. Für Christa Frei sind es jene wenige Linien des Reinhold Tappeiner, die dort weiterkommen, wo unsere eigene Fantasie voreilig davongaloppierte: „Da sind Reinhold Tappeiners ‚Erinnerungsbilder‘ tatsächlich eine Klasse für sich, weil sie auf eine geradezu frappierende Weise nicht bewerten, nicht kategorisieren, sondern Menschen in ihrer Wesenhaftigkeit abbilden. Es sind Köpfe und Gesichter, die er beobachtete, weil er, wie er sagt, gern beobachtet; Köpfe und Gesichter, die ihn nicht mehr losließen, die er Tage in seinem Inneren mit sich herumträgt, dabei wohl die Frage umkreisend, was für ein Mensch sich da zeigt oder verbirgt, was er dann als Kontur mit Kohle aufs Papier bringen wird. Wie ein Zen-Meister“. Dass der Maler neben Linien auch die Farbpalette beherrscht und mit ihr die Stimmung und das Wesen nicht nur des Menschen, sondern auch der Landschaft ausdrückt, ist für die in Baden-Württemberg geborene und in Schlanders aufgewachsene Wortkünstlerin Christine Frei eindeutig. In ihren Augen spiegelt sich in Tappeiners Farben die ganze Wucht der Vinschgauer Essenz: „Die pulsierende Lebenswärme seiner Farbmischungen erinnert mich dabei unwillkürlich an die wohlig flirrende Luft heißer Sonnentage, wo sich die eigentümliche Strenge dieser Vinschger Landschaft immer leicht einnebelte“.

Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein
Vinschger Sonderausgabe

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