Bei der Ausstellungseröffnung am 29. August in der Chasa Jaura (v.l.): Vera Malamud, Nicole Dunn und Pascal Lampert.
Nicole Dunn, Goldene Tasse

„Duft im Garten von Lachen“

Publiziert in 31 / 2019 - Erschienen am 17. September 2019

Valchava/CH - Die Herbstausstellung „SENSINN“ der Chasa Jaura von Nicole Dunn, Vera Malamud und Pascal Lampert besticht mit Poesie, Metaphorik und Humor. Nicole Dunn, seit 15 Jahren in Valchava beheimatet, ist eine Meisterin der Poesie, der Metaphorik, des Humors und der Geduld: Seit über 40 Jahren schafft die Künstlerin ein eigenes Universum der Phantasie, einen Kosmos der Objekte. Inspiration findet sie oft auch in Arbeiten vergangener Zeiten, so sind u.a. die Wandteppiche „Dame mit Einhorn“ eines niederländischen Meisters der Gotik, ausgestellt im Musée de Cluny in Paris, Ausgangsbasis für etliche im jahrhundertealten Bauernhaus Chasa Jaura gezeigten Werke. Das Einhorn selbst beschäftigt sie immer wieder. Dunn spielt mit Anagrammen, zeigt ihre jahrzehntelange Beschäftigung mit einer Thematik, verfestigt Rosenblätter, indem sie sie als Rosenkugeln oder Rosenbilder für einen langen Zeitraum konserviert und in neuer Form zeigt. Eine Essenz ihrer Arbeiten mit Rosenblättern ist in einem Gefäß enthalten: gemahlene Rosenblätter. Eigentliche Ideengeberin dazu war eine Gedichtzeile aus Hans Arp‘s Schnurrmilch: „Und scheert ihr Rosenbärtlein ab“. Dazu sagte Nicole Dunn im Vorfeld der Ausstellung: „Mir wächst ein Rosenbärtlein. Das musste ich rasieren“. Damit nimmt sie, als sei dies selbstverständlich, einen äußerst humorvollen Bezug auf ihre jahrzehntelange Beschäftigung mit den Blättern der Königin der Blumen.

Auf die Arbeiten von Nicole Dunn eingegangen

Das Künstlerpaar Vera Malamud und Pascal Lampert, das nach der Sommerausstellung im Haus nun auch die zweite Ausstellung kuratiert, zeigt mit seinen Arbeiten, wie es auf das vielfältige Weltbild von Nicole Dunn, deren Themen immer wieder die Liebe, das Leben und der Tod sind, einzugehen vermag. Neben hochpoetischen Videoanimationen wie z.B. „Archiv der getrockneten Tropfen“, die aus verschiedenen Wasserproben aus dem ganzen Kanton Graubünden stammen und ein eigenes Universum erstellen, zeigt Pascal Lampert auch ein aktuelles Video, das 2018 gemeinsam mit dem Künstler Inder Salim entstand, auf der Geschichte eines Urdu-Schriftstellers (Salaam Hasan Manto: Der Hund von Tithwal) basiert und auf den Konflikt zwischen Indien und Pakistan, der in Kashmir ausgetragen wird, eingeht. Die Zeichnerin Vera Malamud stellt ihr Können mit Farb- und Bleistiften unter Beweis und verfestigt im Betrachter jenes Gefühl, sich mit Fantasie einem Werk eigenständig nähern zu können. Die großformatige Zeichnung „Aperion“, entstanden 2013, lenkt jedoch einen klaren Blick auf ein Universum, dessen Kräfte in einer Weise auszubrechen versuchen, die der Mensch nicht mehr aufzuhalten vermag; somit generiert das Werk eine Aktualität, die Malamuds Arbeiten eher unterbewusst zu prägen scheint. Rund um das Lebenswerk von Nicole Dunn, der Meisterin des Filigranen, ist eine Ausstellung entstanden, die in dieser Form nirgends sonst zu sehen wäre. Einzigartige Einblicke in die Welt von drei Schaffenden, die - trotz aktueller Bezüge - ein zeitloses Dokument ihrer künstlerischen Weltsicht präsentieren. Die Ausstellung SENSINN - ein Wortspiel mit dem deutschen Sinn und dem romanischen Äquivalent Sen - zu deren Eröffnung viele Talbewohner, Kunstinteressierte aus der Innerschweiz und Deutschland kamen, spielt mit den Sinnen und natürlich mit der großen Frage nach dem Sinn. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 13. Oktober in Valchava.

Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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