Carmen Müller in ihrem Element.
Hier werden gerade ­Schlangen-Zucchini geerntet.

Ein Garten für alle

Gemeinschaftsgarten mit künstlerischem (und sozialem) Anspruch

Publiziert in 30 / 2017 - Erschienen am 12. September 2017

Glurns - Viele haben sich schon gefragt, wem der neue, schöne Garten neben dem Schuldernser Tor in Glurns gehört, und darüber gestaunt, was da außerhalb der Stadtmauer alles wächst, blüht und gedeiht. Die Antwort ist einfach: die rund 2.000 Quadratmeter große Gartenfläche gehört der Stadt Glurns und somit allen Glurnsern. Es handelt sich um einen Gemeinschaftsgarten, dessen Entstehung auf das Stadtentwicklungsprojekt zurückgeht. Genauer gesagt auf den Ideenwettbewerb „AdOppidum“, wörtlich „In die Stadt“. Ziel dieses Interreg-Projektes war und ist es, die 700-jährige Stadtgeschichte, die eng mit der Geschichte im Grenzgebiet Vinschgau, Engadin und Oberes Gericht verknüpft ist, in Form von Kunstprojekten aufzuarbeiten und zugänglich zu machen. Insgesamt 6 Projekte, die sowohl inhaltlich als auch organisatorisch umsetzbar sind, hatte eine internationale Fachjury ermittelt. Darunter auch die Projektidee der Künstlerin Carmen Müller. Für sie bildet die Auseinandersetzung mit Pflanzen und Gärten den Schwerpunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit. Müller hatte unter dem Motto „Garteln an der Stadtmauer“ das Projekt eines Gemeinschaftsgartens mit künstlerischem Anspruch geplant. Die Umsetzung hat heuer im Frühjahr begonnen. Was seither auf den Freiflächen und in den Beeten gewachsen ist, kann sich sehen lassen. „Der Buchweizen zum Beispiel, dessen Samen wir von einem Bauern im Veltlin bekommen haben, ist in wenigen Wochen fast auf Kniehöhe gewachsen“, freut sich Carmen Müller. Sie ist jeden Dienstag ab 15 Uhr (bis zum Spätherbst und dann wieder im Frühjahr) vor Ort, um zusammen mit Leuten, die gerne „garteln“, zu jäten, zu pflegen, zu säen und auch zu ernten. Kräftig mit angepackt hat zu Beginn u.a. auch Bürgermeister Luis Frank. Auf je zwei Hügel- und Flach­beeten gedeihen nicht nur historische, sondern auch aktuelle Kulturpflanzen sowie auch Sträucher und Blumen. Die Palette reicht von Tomaten und Salaten bis hin zu Federkohl, Mangold, Kohlrabi, Almschnittlauch aus Villanders, Schlangen-Zucchini und viele weitere Gemüsesorten. Laut Carmen Müller, die den Gemeinschaftsgarten zusammen mit einer Handvoll engagierter Gartenfreunde aus Glurns und Umgebung hegt und pflegt, dient der Garten auch als Treffpunkt bzw. als gesellschaftlicher Raum für den Austausch von Erfahrungen und Lernprozessen rund um den Gartenbau mit Nutz- und Zierpflanzen. „Wir hatten hier schon oft interessante und spannende Begegnungen und Erfahrungsaustausch mit Einheimischen und Gästen, die sich für Pflanzen interessieren“, so die Künstlerin. Dem künstlerischen Anspruch wolle man mit der Schaffung besonderer Sitzgelegenheiten und weiterer Konstruktionen sowie Beschriftungen gerecht werden. Angestrebt wird außerdem eine Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten Vinschgau, um psychisch kranken Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten bieten zu können.

Gartenfest am 23. September, 15 Uhr

Wie sich der Garten derzeit präsentiert und was für die Zukunft noch alles geplant ist, kann man am Samstag, 23. September, ab 15 Uhr bei einem für alle frei zugänglichen Gartenfest er­fahren. Der öffentlich zugängliche Schaugarten soll sich zu einer Stätte der Betrachtung entwickeln und auch als Gartenschule für Jugendliche und als ein Ort der Begegnung zwischen den Generationen dienen. Viel Zuspruch erfährt übrigens auch der an der Stadtmauer eingerichtete Kompostplatz, auf dem die Stadtbewohner organische Materialien für die Kompostierung ablagern können. Mit dem Gemeinschaftsgarten soll schließlich auch über den sprichwörtlichen Gartenzaun hinausgeschaut werden. Und zwar dadurch, dass das Wissen rund um Nutz- und Zierpflanzen nicht im Städtchen Halt macht, sondern ein Wissenstransfer im Dreiländereck ermöglicht wird. 

Josef Laner
Josef Laner
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