Hermann Gurschler war 13, als er Andreas Hofer zeichnete.
Hermann Gurschler mit Motiven, die ihm gut tun
Hermann Gurschler mit der Oberen Laaser Alm und Höfen in Langtaufers und Martell

Einer, der auch die Heimat portraitiert

Hermann Gurschler stellt bis 25. Juli 2021 in der Tschenglsburg aus.

Publiziert in 22-23 / 2021 - Erschienen am 8. Juli 2021

Tschengls - Seit Freitag, 25. Juni, bewacht Andreas Hofer den Eingang zur Tschenglsburg und von den Wänden des Gastlokals schauen Bud Spencer, Elvis Presley und Reinhold Messner auf die Besucher. Zudem zieren präzis gezeichnete Hände berühmter Personen, Bauernhöfe und Almen aus den umliegenden Tälern die Wände. Präzise und detailgetreu mit Bleistift und Holzfarben aufs Papier gebracht sind Hunde, Bienen und Blumen. Hermann Gurschler verwendete im Gespräch nie den Ausdruck Lieblingsbild. Er sagte nie, das Bild liegt mir am Herzen. Aber auch nicht, dass ein Bild nicht gelungen sei. „Für mich sind alle Bilder persönliche Bilder“, meinte der gebürtige Schnalser (Finailhof) und Wahl-Laaser. Nur ein einziges Mal wich er von seiner Linie ab. Als er mit einem gewissen Stolz in der Stimme das Bild des über König Ortler schwebenden Adlers, des Königs der Lüfte, erwähnte. „Eigentlich bin ich kein Künstler, ich bin nur einer, der gern zeichnet“, stellte er sich bei der Eröffnung selbst vor. Erst auf die Fragen, woher er die Anregungen habe und was ihn motiviere, Schauspieler und Prominente, Tiere und alte Bauernhöfe zu zeichnen, erlaubte er Einblicke in ein durchwegs bewegtes Leben. Genauer in mehrere Leben, die er sich aufgebaut hatte und die nicht einmal die Corona-Pandemie aus der Spur werfen konnte. Mit 13 brachte er sich das Gitarrenspiel bei. Zur ersten Ziehharmonika kam er mit 15. Dann spielte er bei der Gruppe „Salten Oberkrainer“ Kontrabass und Bariton. Mit dem jungen Glurnser Marian Telser bildet er das beliebte Duo „Hermann & Marian“. Ein Zufall sei es gewesen, allerdings ein aufregender, dass er schon mit Herbert Pixner auftreten konnte. Aber wie kommt ein Familienvater, Transportunternehmer und Musiker zur darstellenden Kunst? „Weil ich ein Beobachter bin“, erklärte Hermann, „weil ich mich vom Quatsch im Fernsehen nicht ablenken lasse und weil ich das zeichne, was mir gut tut und was ich bewundere. Ich bewundere Bud Spencer und zeichne ihn, weil er Millionen von Menschen zum Lachen gebracht hat.“ Corona und der Lockdown hätten ihm gut getan. Er habe nicht gejammert, er habe sich in dieser Zeit wieder gefunden. Wenn er Elvis Presley zeichne, könne er mit seinen Melodien im Kopf einschlafen. Kulturwirt Karl Perfler griff zur 69. Ausstellungseröffnung auf der Tschenglsburg einen weiteren Schwerpunkt von Hermanns Kunstschaffen auf: „ Du weckst Emotionen durch dein Zeichnen und du näherst dich mit dem Herzen allem, was du als wertvoll und daher erhaltenswert erachtest. Alle Bilder, die hier ausgestellt werden, sind Seelenlandschaften und wie Seelenlandschaften wirken alte Höfe. Du möchtest sie erhalten und daher portraitierst du deine Heimat.“

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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