Auch Pepi Tischler, Paula Mair und Josef Noggler (v.l.) interessierten sich für die Peter Fellin-Ausstellung im Schloss Kastelbell.
Als Fellin-Experte und Kurator der Ausstellung Professor Markus Neuwirth.

Fellins Konzentration auf das Wesentliche 

Kurator Markus Neuwirth über die Peter Fellin-Ausstellung im Schloss 

Publiziert in 18 / 2021 - Erschienen am 20. Mai 2021

Kastelbell - Die Ausstellung auf Schloss Kastelbell, anlässlich des 100. Geburtstags von Peter Fellin (1920–1999), führt den Untertitel „Zweite Natur“. So hatte der Maler und Bildhauer sein Manifest vom Januar 1959 benannt. Die Schau spannt den Bogen vom ganz jungen Talent bis zum eigenen plastischen, 1:1 Entwurf seines Grabsteins für Meran. Im Zentrum stehen in fünf Räumen und zwei Geschossen die Übergänge vom reichen und detaillierten Naturalismus, expressiver Gestik, die sogenannten Schreiber, die Schriften und schließlich die gegenstandslosen Bilder der Natur, die eine Konzentration auf das Wesentliche wie die Farben Grün, Blau, Rot usw. vornimmt. Aber selbst die Gegenstandslosigkeit kann hinterfragt werden, denn Fellin malt mit einem Makroblick. Genauso gut könnte man sagen, er fokussiert nur auf Details, die ihre Bindung an einen Gegenstand nicht preisgeben wollen. Fellin spielt mit der Wahrnehmung der Betrachtenden. Auch die Schriften sind nicht einfach informelle, gestische Malerei, wenngleich von ihr gemeinsam mit der Zen–Malerei beeinflusst. Man kann die Buchstaben tatsächlich lesen; man ist nur aufgefordert, zu dekodieren und zu dechiffrieren. Die Rezeption von Ezra Pound, der als Dichter chinesische Schriftzeichen in den englischen Fließtext einfügt, ist omnipräsent und in der Ausstellung vertreten. Das Misstrauen gegenüber den Farben als Verführerinnen durchzieht sein Schaffen. Obwohl er sie sichtbar glänzend beherrscht, zeigt er früh Interesse an Schwarz-Weiß-Kontrasten. Dieses Reduzieren verstärkt sich in den späten Arbeiten in Malerei, Zeichnung und Skulptur, um buchstäblich Raum zu gewinnen und einer meditativen Grundhaltung vermehrt Raum zu geben. Ein visueller Generalbass durchzieht die Ausstellung in Kastelbell mit dem Thema Musik, die entweder als frühe Allegorie, als nackte Frau mit Querflöte, oder im Beethoven aus unterschiedlichen Buchstaben Klang und Rhythmus gewinnt und mit dem Pinsel Crescendo und Adagio erzeugen kann. In jedem Fall fordert Fellin von seiner Zeitgenossenschaft und Nachwelt die Erkenntnis ein, dass Malerei und Skulptur nicht simpel zur Natur-Nachahmung geschaffen wird, sondern dass die künstlerischen Medien eine zweite, sehr individuelle Natur mit ihren je eigenen Gesetzen bildet, die es zu interpretieren und auszulegen gilt. 

Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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