Erste Reihe (v. l.): Silke Pixner, Anton Moser, Ignaz Ratschiller, Anton Linser und Stefanie Pauli; zweite Reihe (v.l.): Gustav Tappeiner, Dietmar Pixner und Renato des Dorides.

Fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft

Feierstunde mit Ehrung von Gründungsmitgliedern und Marketenderinnen

Publiziert in 42 / 2019 - Erschienen am 3. Dezember 2019

Kastelbell - Im Rahmen eines Festabends feierte die Schützenkompanie „Major Michael Mayr Kastelbell“ am 16. November im Mehrzwecksaal Galsaun ihr 60. Wiedergründungsjubiläum. Wiedergründung deshalb, weil die Geschichte der Kastelbeller Schützen mindestens in das 15. Jahrhundert zurückreicht. „Vor genau 60 Jahren, am 15. November 1959, ist die Schützenkompanie Kastelbell wiedergegründet worden“, sagte Adjutant Martin Karl Pircher einleitend. Im Namen der Kompanie hieß er Bürgermeister Gustav Tappeiner, die Gemeindereferentin Monika Rechenmacher, den Landeskommandant-Stellvertreter Renato des Dorides, Bataillonskommandant Peter Raffeiner und die Vertreter der Nachbarkompanien willkommen. 

Wechselvolle Geschichte

Hauptmann Dietmar Pixner gab einen Rückblick auf erfolgreiche Vereinsjahre. Archivberichten zufolge beteiligten sich die Kastelbeller Schützen 1499 an der Calvenschlacht. Auch zu den Freiheitskämpfen 1809 gegen die Franzosen und Bayern rückte die Kompanie unter Schützenmajor Michael Mayr mit über 100 Mann aus. Im Ersten Weltkrieg wurden viele junge Schützen zu den Kaiserjägern eingezogen. Beim Kriegseintritt Italiens übernahmen die Standschützen gemeinsam mit allen Wehrfähigen die Verteidigung der Landesgrenzen im Süden. Die Annexion Südtirols an Italien vor 100 Jahren hatte die Auflösung des Vereinswesens im südlichen Landesteil zur Folge. Erst in den 1950er Jahren erwachte das Schützenwesen zu neuer Blüte. Nach und nach kam es zur Gründung bzw. Wiedergründung von Schützenkompanien. 

Einsatz für die Dorfgemeinschaft

Durch ihre rege Tätigkeit, den fleißigen Einsatz und Idealismus der Mitglieder konnte sich die Kompanie bestens in die Dörfer integrieren. Viel Kleinod wurde errichtet und Althergebrachtes erhalten. Finanziell unterstützt wurden der Bau der neuen Pfarrkirche in Marein, der Ankauf der Orgel und die Renovierung der alten Kirche. Außerdem führte die Kompanie eine Sammelaktion zugunsten der Lebenshilfe durch. Wohl niemand hätte bei der Wiedergründung daran gedacht, dass die Schützen jemals wieder historische Waffen tragen dürfen. Anlässlich des Dreiländerschießens 2002 wurden nach über 80-jährigem Verbot auf dem Friedhof in Marein wieder Ehrensalven zu Ehren der Kriegsgefallenen und der verstorbenen Schützen geschossen. Ein besonderer Meilenstein war die Errichtung der Schützenstube im Bereich der Grundschule Kastelbell 2013. Ein wichtiger Aspekt ist die Jugendarbeit. Die Kompanie steht heute stärker da als je zuvor, „mit dem Zuwachs an neuen Mitgliedern haben wir nun das Potenzial für eine Ehrenkompanie“, betonte der Hauptmann. 

„Ohne euch wären wir heute nicht hier“

Ein Höhepunkt der Feier war die Ehrung der Gründungsmitglieder und Marketenderinnen. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Landeskommandant-Stellvertreter nahm der Hauptmann die Ehrung der noch lebenden Gründungsmitglieder vor. Anton Linser, Anton Moser und Ignaz Ratschiller wurden für ihren beispielhaften Einsatz mit der Andreas-Hofer-Langjährigkeitsmedaille samt Urkunde ausgezeichnet. „Ohne euren Idealismus und Einsatz könnten wir heute nicht dieses Jubiläum feiern“, sagte der Hauptmann. Die Ehrung des abwesenden Gründungsmitgliedes Jakob Raffeiner und des langjährigen Fähnrichs Alois Aufderklamm wird nachgeholt. Die Marketenderinnen Silke Pixner (25 Jahre) und Stefanie Pauli (10 Jahre) wurden für ihr ehrenvolles Wirken mit der Peter-Sigmayr-Langjährigkeitsmedaille geehrt. BM Gustav Tappeiner überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde Kastelbell-Tschars zum Wiedergründungsjubiläum. „1959 haben mutige Männer, mit dabei waren auch Anton Linser, Anton Moser und Ignaz Ratschiller, in einer unruhigen und in politischer Hinsicht sehr schwierigen Zeit diese Schützenkompanie wiedergegründet“, so Tappeiner. Er erinnerte an die Unterdrückung durch den Faschismus und Nationalsozialismus, an die Optionszeit und Italianisierung. Bis nach dem Ersten Weltkrieg stand die Landesverteidigung im Vordergrund. Heute braucht es den Einsatz für die Erhaltung der Heimat, der Sprache, des Brauchtums, der Denkmäler und der Werte. „Meine Wertschätzung und Anerkennung gilt den Männern und auch den Frauen, die hinter den Idealen der Schützenkompanie gestanden sind“, so Tappeiner. Der Schützenkompanie gebühre Dank und Anerkennung für ihren Einsatz zum Wohl der Allgemeinheit und der Heimat. Im Namen des Südtiroler Schützenbundes gratulierte Renato des Dorides der Kompanie. Sie gehöre zum Dorf wie die Musikkapelle und viele andere Vereine. Die Schützenkompanie „Major Michael Mayr“ habe Geschichte geschrieben, vor allem bei der Calvenschlacht und den Freiheitskämpfen. 

Oskar Telfser
Oskar Telfser

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