Angela Lehner (Bildmitte) freut sich mit der Kultur-referentin Verena Tröger und Bürgermeister Andreas Tappeiner über den Franz-Tumler-Literaturpreis 2019.
Den Publikumspreis überreichten Margit Kuntner von der Bibliothek Laas (links) und Raimund Rechenmacher vom Verein Vinschger Bibliotheken an Lola Randl.

Frech, dynamisch, …

Angela Lehner gewinnt Franz-Tumler-Literaturpreises 2019

Publiziert in 33 / 2019 - Erschienen am 1. Oktober 2019

Laas - „Was für ein Debüt! Immerzu möchte man diese Eva gleichzeitig würgen und küssen – sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf.“ Das schreibt Joachim Meyerhoff, der Träger des Franz-Tumler-Literaturpreises 2011, zum Erstlingsroman „Vater unser“ von Angela Lehner. Eva ist die Hauptfigur im Prosawerk „Vater unser“, für das die aus Osttirol stammende und in Berlin lebende Autorin am 20. September in Laas mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Der Roman erzählt den Irrweg einer Familie durch die Augen der Tochter. Gleich zu Beginn wird Eva in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Angela Lehner, 1987 in Klagenfurt geboren, hat einen frechen, dynamischen und komplexen Roman geschrieben, „der aber auch unterhaltsam ist, spannend und von hohem literarischen Niveau“, sagte Gabriele Wild bei der Preisverleihung in der Markus-Kirche. Gabriele Wild hatte zusammen mit Hans-Peter Kunisch, Manfred Papst, Gerhard Ruiss und Daniela Strigl die Jury der 7. Auflage des Literaturpreises gebildet, der seit 2007 alle 2 Jahre vergeben wird. „Vater unser“ sei ein vielstimmiger Roman, dessen Reiz nicht nur die Vielschichtigkeit der Hauptfigur ausmache, sondern auch mit viel Eigenwilligkeit das Genre des Psychiatrieromans breche. In der Jurybegründung heißt es u.a. wörtlich: „Mit der Figur der Eva Gruber wurde eine unzuverlässige Erzählerin geschaffen, die nicht nur ihre Therapeuten und ihre eigene Familie verunsichert, sondern genauso die Leserin und den Leser. Lustvoll erzählt, führt uns Angela Lehner in ihrem Roman ‚Vater unser’ mit dieser Figur permanent auf falsche Fährten. Somit verweigert sich der Roman, und auch das ist durchaus reizvoll, einer einfachen Deutung.“ Zusätzlich zum Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro, gestiftet von der Landesregierung, kann sich Angelika Lehner auch auf einen Lese- und Schreibaufenthalt in Laas freuen. Der Publikumspreis, den wiederum der Verein Vinschger Bibliotheken vergeben hat, ging an die Drehbuchautorin und Schriftstellerin Lola Randl, 1980 in München geboren. Sie hatte mit ihrem Romandebüt „Der Große Garten“ die Gunst des Publikums gewonnen. Der Publikumspreis besteht aus einem Schreibaufenthalt auf dem Rimpfhof. Marion Gamper, die Direktorin des Landesamtes für Bibliotheken und Lesen, Ferruccio Delle Cave vom Südtiroler Künstlerbund und weitere Redner stimmten darin überein, dass alle 5 Debütromane, die für der Preis 2019 nominiert worden waren, „mit hoher literarischer Qualität“ bestechen. Neben den Werken von Lehner und Randl hatten sich auch Marko Dinić aus Wien („Die guten Tage“), Emanuel Maeß aus Berlin („Gelenke des Lichts“) und Niko Stoifberg aus Luzern („Dort“) mit ihren Erstlingsromanen der Jury gestellt. Die gut besuchte Preisverleihung, die von Blechbläsern der Musikkapelle Laas musikalisch umrahmt wurde, war der Höhepunkt intensiver Literaturtage in Laas mit sehr gut besuchten Lesungen und Jurydebatten. Bürgermeister Andreas Tappeiner dankte allen Teilnehmenden und Mitwirkenden. Die Kulturreferentin Verena Tröger blickte auf die lange Vorbereitungszeit für den Literaturpreis zurück und bedankte sich ebenfalls bei allen Mitarbeitenden sowie den öffentlichen und privaten Sponsoren und Unterstützern. In Geschäften und Gasthäusern in Laas war schon im Vorfeld der Literaturveranstaltungen mit Roman-Zitaten und Büchersäulen auf den Literatur-Preis hingewiesen worden. Mit dem Preis wird an den Schriftsteller Franz Tumler aus Laas (1912 – 1998) erinnert. Die bisherigen Preisträger/innen sind: Emma Braslavsky (2007), Lorenz Langenegger (2009), Joachim Meyerhoff (2011), Björn Bicker (2013), Kristine Bilkau (2015), Julia Weber (2017) und Angela Lehner (2019).

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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