Hamlet genial!

Beeindruckende Darbietung des Puppentheaters Halle

Publiziert in 12 / 2019 - Erschienen am 2. April 2019

Schlanders - Ganz unabhängig, wie klassikaffin man sein mag oder wie sehr man von Shakespeares Werken angetan ist, die Aufführung „Hamlet, Prinz von Dänemark“ durch das Puppentheater Halle im Kulturhaus Karl Schönherr war einfach nur genial! Der Regisseur legt in seiner Inszenierung den Fokus auf die jungen, beinahe kindlichen Charaktere von Hamlet, Ophelia oder Laertes. Sie stehen im Mittelpunkt und werden durch Gliederpuppen dargestellt. Diese in Handarbeit hergestellten Puppen sind 1,20 bis 1,40 Meter groß; dunkel gekleidete Puppenspieler mit zum Teil verhüllten Gesichtern leihen ihnen ihre Stimme und führen sie. Die restlichen Rollen werden von menschlichen Darstellern verkörpert. Diese Mischung aus Puppen- und Schauspiel, Videos und Lichteffekten, mit der hier die Geschichte von Hamlet erzählt wird, macht Shakespeares Klassiker zu einem einzigartigen ästhetischen Erlebnis. Eine vorne und hinten mit schwarzem Gazestoff abgespannte Blackbox steht leicht schräg auf der Bühne. Der Innenraum, vermutlich das Kinderzimmer Hamlets, gleicht einer Zelle, spärlich mit Liege, Tisch und Stühlen ausgestattet. Dort spielt sich das Geschehen am dänischen Hof ab. Videobilder und Filmfragmente werden auf die halbdurchsichtige Gazewand projiziert, die Musik kommt vom Band. Es wird geschossen auf der Bühne, nicht gefochten. Die Eltern Hamlets kommunizieren per Skype, Hamlet und Ophelia schicken sich Smileys via Smartphone. Ophelias Dahinscheiden im Wasser wird als Filmszene eingeblendet. Das digitale Zeitalter ist Ausdruck einer neuen Generation, für die diese Technik als Kommunikationsform selbstverständlich ist, und gleichzeitig versinnbildlicht es die Kluft zwischen den Generationen. - Das Südtiroler Kulturinstitut hat, wie schon so oft, sein Programm gut gewählt. Das Publikum zeigte sich begeistert von den beeindruckenden Bildern, den personifizierten Puppen und der zeitgenössischen Aufarbeitung dieses Klassikers von William Shakespeare. Dass so ein geschichtsträchtiges Drama in dieser Form funktioniert, liegt vor allem am Regisseur Christoph Werner und seinem hervorragenden Ensemble. 

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.