Immer an ein viertes Drittel denken

Besteht Interesse an der neuen Wohnform Co-housing im Schlanderser Kasernenareal?

Publiziert in 20 / 2020 - Erschienen am 4. Juni 2020

Schlanders -  Was soll mit dem Kasernenareal in Schlanders in Zukunft geschehen? Diese Frage stellen sich derzeit nicht nur die Gemeindeverwaltung und die Schlanderser Bevölkerung. Mit dem digitalen BASIS-Stammtisch Mitte Mai, an dem über 70 Interessierte teilnahmen, wurde gemeinsam mit der Plattform Co-housing Südtirol, der Plattform Land und der arch. academy eine Veranstaltungsreihe gestartet, um zu erörtern, ob Interesse an der neuen Wohnform Co-housing im Schlanderser Kasernenareal besteht. Es geht dabei zum einen darum, Familien zu vernetzen und mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben und zum anderen um leistbares Wohnen, kollektiven Mehrwert und einen Akt der Nachhaltigkeit.
Die Gastreferentin, Architektin und Stadtplanerin Gabu Heindl, stellte verschiedene Co-housing- Konzepte in Wien vor. „Wohnbau darf nicht zum Finanzierungsproblem werden“, mahnte Gabu Heindl angesichts der Tatsache, dass die Spekulation mit öffentlichem Boden die Grundstückspreise in die Höhe treibt. Sie forderte einen Paradigmenwechsel, d.h. einen geringeren Ressourcenverbrauch durch Nutzung bestehender Bausubstanz, kein grenzenloses Wachstum, die Ablösung vom Privatverkehr usw…. „In der Wohnbauplanung sollte man immer an ein viertes Drittel denken, also an eine Gruppe, die im Co-housing leben und arbeiten möchte“, ging ihre Botschaft an Bürgermeister Dieter Pinggera, der ebenfalls digital zugeschaltet war.
Ruth Rewald und Marlene Günther, zwei Bewohnerinnen des Mehrgenerationenhaushaltes Cambium in der Steiermark, berichteten aus ihrem Leben in einer Kaserne. 45 Erwachsene und 25 Kinder im Alter von 0 bis 77 Jahren sind Teil dieses Gemeinschaftsprojektes, in dem zusammengelebt, geforscht und gearbeitet wird. „Was braucht das Individuum, was kann geteilt werden“, ist der Grundsatz dieser soziokratischen Gemeinschaft, die eine Kultur des Vertrauens und des Miteinanders lebt. Dass das Zusammenleben nicht immer reibungslos abläuft, und es oft eine Mediation brauche, blieb nicht unerwähnt.
Bürgermeister Pinggera bremste ein wenig, als Projektinitiator Hannes Götsch anfragte, ob ein Teil des Kasernenareals für ein solches Pilotprojekt genutzt werden könnte. „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Raumordnung fehlen noch“, so der Bürgermeister, „aber das politische Interesse ist groß, leistbares Wohnen zu realisieren“. Die Chancen, die neue Wohnform Co-housing in das neue Wohnbaugesetz aufzunehmen, stehen gut, denn derzeit wird in der Landesregierung am neuen Raumordnungsgesetz gefeilt, und der ebenfalls zugeschaltete Abteilungsdirektor für den Südtiroler Wohnbau, Stefan Walder, schien angetan von der neuen Wohnform zu sein. Unterstützung kam auch von den Partnern André Mallossek von der Plattform Land und der Arche im KVW.
Abschließend stellte die Architektin Claudia Aimar aus Schlanders anhand von einigen aussagekräftigen Bildern die immense Größe der vier Hauptgebäude und die Vorteile von modularen, ausbaufähigen Wohneinheiten vor. BASIS Vinschgau Venosta wird dran bleiben, und gemeinsam mit den anderen Plattformen und der Gemeindeverwaltung gestärkt durch die positive Resonanz aus der Bevölkerung nächste Schritte in die Wege leiten.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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