Sie haben Glurns im Auge gehabt: Leo Andergassen, Gustav Pfeifer, Giorgio Fedele, Concino de Concini, Moderator Herbert Raffeiner, Mercedes Blaas, Manfred Schlapp, Christof Anstein und David Fliri (v.l.)
BM Alois Frank, Hans-Christoph von Hohenbühel und Herbert Raffeiner (v.l.)

Kein Schlusspunkt, sondern Impuls und Neustart

Ein Buch zum Selbstverständnis der Bürgerschaft und Stadtverwaltung von Glurns

Publiziert in 34 / 2020 - Erschienen am 6. Oktober 2020

Glurns - Es ist eher unwahrscheinlich, dass Hans-Christoph von Hohenbühel, Präsident des Südtiroler Kulturinstituts, an die Eröffnungsrede des Glurnser Bürgermeisters von 2018 dachte. Damals hatte Stadtherr Alois Frank das 4. Glurnser Symposium mit dem Satz gerechtfertigt: „Es haben sich neue Erkenntnisse ergeben. Die Bürgerschaft und Stadtverwaltung brauchen stetes Wissen, um die Stadt angemessen verwalten zu können.“ Bei der Vorstellung des Tagungsbandes „Glurns zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit“ am 18. September 2020 meinte von Hohenbühel unter anderem: „Ein Tagungsband ist kein Schlusspunkt, sondern der Auftakt zu etwas Neuem. Er ist Orientierung vor allem für Architekten.“ Die Orientierung in Buchform umfasst 207 Seiten Forschungsarbeit, ist reich bebildert, wissenschaftlich belegt und enthält 10 Beiträge von 11 Historikern und Experten. Sie ist im Verlagshaus Athesia als 11. Band der Reihe „Veröffentlichungen des Südtiroler Kulturinstituts“ erschienen. Ermöglicht wurde die Drucklegung durch die Autonome Provinz Bozen Deutsche Kultur, die Stadtgemeinde Glurns, die Ferienregion Obervinschgau, die Raiffeisenkasse Prad-Taufers und das Vinschgau Energiekonsortium VION. Als Herausgeber scheint der Schuldirektor i. R., Chronist und Heimatforscher Herbert Raffeiner aus Tschengls auf. Er hatte zwei Jahre zuvor auch als Moderator durch die Tagung geführt. Die stimmungsvolle Präsentation war umrahmt von klassischer Flöten- und Cembalo-Musik durch Sophia Sagmeister aus Glurns und Maria Dangl aus St. Valentin a.d.H. Acht der 11 Autoren waren zur Vorstellung in den Ansitz „Hendlspurg“, heute Rathaus, gekommen. Davon durften die Lokalmatadoren, die Historiker Christof Anstein, Glurns, und David Fliri, Taufers im Münstertal, eine kurze Zusammenfassung ihrer Beiträge vortragen. In gewohnt spritziger Art führte Raffeiner auch diesmal durch den Abend, genauer durch das neue Werk über „inzer Statl“, wie Bürgermeister Frank sich ausdrückte. Dem Adel, ihren Wappen und vor allem dem Ursprung des Stadtwappens nachgespürt hat der stellvertretende Direktor das Südtiroler Landesarchivs Gustav Pfeifer. Über die Churer Gotteshausleute in der damals „zerrissenen Vinschger Gesellschaft“ (Raffeiner) hat die Malser Historikerin Mercedes Blaas berichtet. Um den Gerichtssitz Glurns und um den „Mäuseprozess“ als wohl bekannteste Ausbildung des Landgerichts ist es dem Tauferer Archivar David Fliri zusammen mit Kollegin Kathrin Kininger gegangen. Im Mäuseprozess und in Glurns wollte der Philosophieprofessor Manfred Schlapp Vorreiter für eine Tieranwaltschaft sehen. Der Architekt Giorgio Fedele wies nach, dass mit dem Wiederaufbau von Glurns im 16. Jahrhundert das Konzept einer idealen Stadt der Renaissance umgesetzt worden ist. Noch keinen schriftlichen Beleg, aber viele Bezüge zur Obervinschger Landschaft im berühmtesten Selbstportrait von Albrecht Dürer hat der Nonstaler Kulturvermittler Concino de Concini gefunden und als Beweis für den Aufenthalt des Malers in Glurns verarbeitet. „Spannend und befruchtend“ nannte Raffeiner den Beitrag von Waltraud Kofler Engl über die Rolle des Denkmalschutzes in Glurns. Auch Christof Anstein zeigte sich im Beitrag über die „kirchliche Bautätigkeit des 16. Jahrhundert“ überzeugt, dass „ein Forschungsbeitrag nur Zwischenstation auf einer Forschungsreise“ sei. Leo Andergassen schließe das Buch „furios“ über die Pfarrkirche zum Hl. Pankratius ab, meinte Raffeiner. Der Direktor des Südtiroler Landesmuseums Schloss Tirol habe einen „anspruchsvollen, aber lockeren“ Beitrag geliefert.

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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