Bei der Tagung in der BASIS Vinschgau ging man der Frage nach, wie Lobbyarbeit in Kultur und Kunst gelingen kann.
Volker Klotz
Manuela Kerer
Ferruccio Delle Cave
Aus Österreich zugeschaltet: Karin Wolf und Yvonne Gimpl

Künstler und Kulturschaffende nicht zurücklassen!

Wie gelingt Lobbyarbeit in Kultur und Kunst?

Publiziert in 32-33 / 2020 - Erschienen am 24. September 2020

Schlanders - Am 12. September fand in der BASIS Vinschgau in Schlanders (Ex-Drusus-Kaserne) eine Tagung unter dem Motto „Wie gelingt Lobbyarbeit in Kultur und Kunst?“ statt. Organisator war die „Allianz der Kultur“, welche die Vernetzung und Mobilisierung sämtlicher Kulturakteure Südtirols und einen partizipativen Zugang auf politischer Ebene anstrebt. Dabei geht es vor allem um gemeinsame Interessensvertretung und einen konstruktiven Austausch. Der Künstler, Kurator, Philosoph und Festival-Leiter Hannes Egger eröffnete die Tagung mit der Vorstellung der Gastredner und ein paar Worten zu der BASIS Vinschgau, welche der ideale Veranstaltungsort für die erste von mehreren Zusammentreffen dieser Art sein soll. Das historische Gebäude in neuer Erscheinung biete ein einmaliges Ambiente, eine hervorragende Akustik und beste Voraussetzungen für Events unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen. Weitere Grußworte kamen von Volker Klotz, Abteilungsdirektor für Deutsche Kultur der Südtiroler Landesverwaltung. Dieser war der Meinung, es solle bei solchen Diskussionen nicht nur um finanzielle Forderungen gehen, sondern vor allem auch um die Verknüpfung der Menschen, die sich Kunst und Kultur verschrieben haben. Außerdem betonte er die Wichtigkeit eines öffentlichen Dialogs. Anschließend übernahm Ferruccio Delle Cave (Südtiroler Künstlerbund) das Mikro und stellte die „Allianz der Kultur“ vor. Diese wurde 2018 als Gemeinschaft gegründet, fungiert seit 2019 als Steuerungsgruppe und besteht aus 24 Vereinen und Verbänden aus dem Bereich der Kultur. „Neben interner Kommunikation geht es auch um externe Beratung und Weiterbildung, wie heute durch die zugeschaltete IG Kultur Österreich“. Ein Impulsreferat über Kultur- und Kunstlobbyisten kam von Manuela Kerer (Opern-Komponistin, Violinistin, Juristin, Psychologin). Dabei sprach sie über die negative Konnotation von Lobbyisten und den defizitären Ist-Zustand von Lobbyismus für Kunst und Kultur in Südtirol.

„Künstler kein anerkannter Beruf“

Es gebe keine Künstlersozialversicherung wie in Österreich oder Deutschland, da Künstler in Italien kein anerkannter Beruf sei. Die Zusammensetzung des Südtiroler „Konvents der 33“ für einen verstärkten Bürgerbeteiligungsprozess in der Politik beinhalte neben wirtschaftlichen Unternehmensverbänden keine Vertreter für Kunst und Kultur. Es gebe im Vergleich zu wirtschaftlichen Verwaltungsräten kaum Geld für kulturelle Verwaltungsräte und die Covid-19 Hilfen seien ungenügend. Kerer’s Fazit: „Die Lobbyisten für Kunst und Kultur haben in Südtirol keine Macht, obwohl Künstler und Kulturschaffende eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung haben.“ Ihre Lösungsvorschläge sind Statistiken und Zahlen über kulturelle Tätigkeiten als Basis für politische Forderungen und eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit. Denn auch in der Bevölkerung fehle das Verständnis für die Unterstützung von Kulturschaffenden. Den letzten Beitrag der Tagung gestalteten Karin Wolf (Institut für Kulturkonzepte Wien) und Yvonne Gimpl (IG-Kultur Österreich) im Rahmen eines Dialogs über Live-Videoschaltung. Hierbei ging es vor allem um Empfehlungen aus der Praxis durch die „IG-Kultur Österreich“ als Vorbildfunktion für die „Allianz der Kultur“. Die „IG-Kultur Österreich“ ist ein gemeinnütziger Dachverband unabhängiger Kunst- und Kulturvereine mit 800 Mitgliedern, den es bereits seit 30 Jahren gibt. Die Interessensvertreter finanzieren sich primär durch den österreichischen Bund (ca. 55%), aber auch durch Mitgliedsbeiträge (ca. 10%) und verschiedene Projekte (ca. 35%). Einige Erfolge der Vereinigung sind beispielsweise die Ausarbeitung von „Fair Pay Honorarrichtlinien“ für Kulturschaffende und die Vernetzung mit europäischen, äquivalenten Vereinigungen. Aus ihrer langjährigen Erfahrung bei „IG-Kultur Österreich“ weiß Gimpl: „Um die Interessen von Künstlern und Kulturschaffenden auf eine politische Ebene zu transportieren, braucht es neben gesellschaftlicher Akzeptanz das Vertrauen politischer Akteure und dieses Vertrauen zu gewinnen erfordert lange, harte Arbeit“. Am Ende des Tages zähle für Politiker jedoch eine einfache Rechnung, nämlich müsse der Gewinn größer als die Kosten sein. Wobei die permanente Hervorhebung wirtschaftlicher Zahlen eine Gratwanderung sei, da diese nie ausschließlich für den Erfolg einer künstlerischen Tätigkeit als Messinstrument herangezogen werden können. 

Dominik Pazeller

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